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Alban Berg / Daniel Harding / Stéphane Braunschweig
Wozzeck

Oper in drei Akten / Wien
Von
Alban Berg
Libretto von
Alban Berg
nach
Woyzeck von Georg Büchner

Mit Wozzeck, der ersten vollständig atonalen Oper, hat Alban Berg eine der radikalsten Arbeiten der Operngeschichte geschrieben. 85 Jahre nach seiner Erstaufführund hat das Werk nichts an Aktualität verloren. Ausgehend von Büchners Dramenfragment Woyzeck zeichnet Alban Berg das Unglück des einfachen Soldaten Wozzeck nach, der versucht, die ehemalige Prostituierte Marie und das gemeinsame uneheliche Kind durchzubringen, bis er Maries Untreue entdeckt. Wozzeck versucht, die ihn umgebende Welt zu entziffern. Sie bleibt für ihn unentschlüsselbar. Georg Nigl als Wozzeck und Angela Denoke als Marie werden gemeinsam mit dem Mahler Chamber Orchestra unter Daniel Harding der expressiven hochdramatischen Musik von Alban Berg Ausdruck verleihen. Mehr

Alban Berg fasste den Entschluss zu seiner Oper Wozzeck nach dem Theaterbesuch von Büchners Dramenfragment Woyzeck im Mai 1914. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges sieht der Komponist im „Fall Wozzeck“ die exemplarische Katastrophe des fallenden Menschen in einer im Zerfall begriffenen Welt. In seinem Libretto zeichnet er das Unglück des einfachen Soldaten Wozzeck nach, der versucht, die ehemalige Prostituierte Marie und das gemeinsame uneheliche Kind durchzubringen, bis er Maries Untreue entdeckt. Wozzeck, 1925 uraufgeführt, ist die erste vollständig atonale Oper. Mit geradezu geometrischer Strenge komponiert, doch weit über die formale Virtuosität hinausgehend, wirkt dieses Werk wie ein Schrei der Auflehnung und Verzweiflung. Die Expressivität der Bergschen Musiksprache verleiht dem tragischen Konflikt der Vorlage an Ausdruck.
„Es ist nicht nur das Schicksal dieses von aller Welt ausgenutzten und gequälten armen Menschen, was mir so nahe geht, sondern auch der unerhörte Stimmungsgehalt der einzelnen Szenen“, schreibt Berg.

Stephane Braunschweig fasziniert die Vielfalt der Farben und der Materialreichtum der Musik sowie Einheit und Spannung des Werkes. Im Zentrum seiner Auseinandersetzung mit Wozzeck steht die soziale Entwurzelung der Titelfigur. In Darstellung und musikalischer Interpretation werden Georg Nigl als Wozzeck und Angela Denoke als Marie gemeinsam mit dem Mahler Chamber Orchestra unter Daniel Harding der expressiven hochdramatischen Musik von Alban Berg Ausdruck verleihen.

Weniger

Künstlerische Leitung und Besetzung

Musikalische Leitung / Daniel Harding
Inszenierung und Bühne
/ Stéphane Braunschweig
KOSTÜME
/ Thibault Vancraenenbroeck
Licht
/ Marion Hewlett
Marie
/ Angela Denoke
Margret
/ Magdalena Anna Hofmann
Wozzeck
/ Georg Nigl
Tambourmajor
/ Volker Vogel
Andres
/ Eric Stoklossa
Hauptmann
/ Andreas Conrad
Doktor
/ Wolfgang Bankl
1. Handwerksbursch
/ Tijl Faveyts
2. Handwerksbursch
/ Christian Miedl
DER Narr
/ Heinz Zednik
Bühnenorchester der Wiener Staatsoper
Orchester
/ Mahler Chamber Orchestra
Chor
/ Arnold Schoenberg Chor
CHORLeitung
/ Erwin Ortner
Kinder
/ Timotheus Hollweg, Aeneas Hollweg, Martin Karwautz, Leo Pasecky, Samuel Somodji, Victor Bervoets, Maike Monaco, Fabiola Noll

Produktion
Wiener Festwochen
Pressestimmen
Opernstudie existenzieller Ohnmacht
Alban Bergs "Wozzeck" im Theater an der Wien: Regisseur Stéphane Braunschweig reüssiert mit Bühnenminimalismus und intensiven Charakterstudien

[...] Braunschweig räumt die Bühne leer. Nur ein blutiger Mond und kleine Wandverschiebungen sorgen in der Düsternis für optische Kontraste. Der Rest ist ein dezenter Lichteinsatz, der sich auf die Figuren konzentriert - wie auch eine Dramaturgie, die das Episodenhafte dieses Werkes zugunsten eines nie abebbenden szenischen Fließens zurückstellt.

Dass zu diesem Fließzweck auch jene Figuren, die gerade nicht im szenischen Einsatz sind, auf der Bühne verweilen, hat den zusätzlichen Vorteil, dass ihre Präsenz zur optischen Magie der Inszenierung beiträgt. Wie in einem lebendigen Museum sozialer Schicksale einer Nachkriegsgesellschaft wähnt man sich da.

[...] Nun denn: Georg Nigl ist schlicht eine Idealbesetzung für den geschundenen, gehetzten Wozzeck. Er ist im Gesanglichen und Theatralen poetisch, ohne dabei je harmlos zu wirken. Und er agiert im Expressiven eindringlich, ohne jemals ins Plakativ-Derbe zu kippen. Mit einer Unzahl an darstellerischen Zwischentönen verkörpert Nigl (der 2008 an der Mailänder Scala in einer Jürgen-Flimm-Inszenierung diese Rolle schon umgesetzt hatte) das grandiose Zentrum dieser eleganten Inszenierung.

Ein gutes Ensemble

Angela Denoke (als Marie) wirkte in ihrem Bemühen, Einsamkeit und Begehren darzustellen, um Nuancen weniger unmittelbar als Nigl. Sie trägt allerdings durchaus wesentlich zum subtilen Charme des Abend bei, der von einer gediegenen bis guten Ensembleleistungen (Wolfgang Bankl als Doktor, Heinz Zednik als Narr, Eric Stoklossa als Andres, Volker Vogel als Tambourmajor, Andreas Conrad als Hauptmann, Magdalena Anna Hofmann als Margret) unterstützt wird.

Dirigent Daniel Harding und das Mahler Chamber Orchestra setzen das Werk solide um. [...]

Der Standard, 17. Mai 2010


Mit feiner Klinge

[...] Erzählt wird mit scharf psychologisierender Klinge und weitgehendem Reduktionismus. Handwerklich einwandfrei bis in die kleinsten Rollen einschliesslich des Bühnenorchesters und des Arnold-Schoenberg-Chores, ist die äussere Handlung auf ein Mindestmass beschränkt. [...]

Unmittelbarkeit und Wucht

Während der Hauptmann (Andreas Conrad), der Doktor (Wolfgang Bankl) sowie der Tambourmajor (Volker Vogel) schon in Georg Büchners Dramenfragment und erst recht in Bergs Oper als Karikaturen gezeichnet sind – Fäden, die Regisseur und Darsteller beherzt aufgriffen –, rückte in der Wiener Premiere am Samstag die psychische Ausnahmesituation der Marie ins dramatische Zentrum. Dies war weniger der Inszenierung selbst zu verdanken als der darstellerisch wie stimmlich überragenden Angela Denoke: Sie verstand es, die ganze Tragik und Verzweiflung dieser Figur zu vermitteln, welche ihr selbstvergessenes Handeln erst motiviert erscheinen liess. An ihrer Seite stand mit Georg Nigl als Wozzeck ein Spezialist für ausser sich geratene Charaktere, der sein enormes Spektrum an Vokalfarben souverän ausspielte.

Das Mahler Chamber Orchestra verschaffte sich dazu im intimen Rahmen des Theaters an der Wien mit wuchtiger körperhafter Bedrohlichkeit Gehör. Seine besonders bei den solistischen Bläsern exzellenten Mitglieder sorgten mit ihren kammermusikalischen Qualitäten für Transparenz sowie, auch wenn unter dem Dirigat von Daniel Harding manche Einsätze ihrerseits bedrohlich wackelten, für gebrochene Schönheit.

Neue Zürcher Zeitung, 17. Mai 2010

 

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Spieltage

15.05.10 19:30
17.05.10 19:30
19.05.10 19:30

Preise

EUR 22,- / 37,- / 51,- / 62,- / 74,- / 88,- / 91,- / 108,- / 128,- / 140,- / 152,-

Sprache

In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Dauer

1 Std. 40 Min., ohne Pause

EINFÜHRUNG

Eintritt frei, 15., 17., 19. Mai, 18.30 Uhr, Theater an der Wien, Großer Pausenraum

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