Ein Zirkus-Theater / Paris / Premiere deutschsprachiger Raum
Auf dem schmalen Grat zwischen Zirkus, Tanz und Theater entführt James Thiérrée in sein schwereloses und fantastisches Universum. Diesmal visualisiert und tanzt er die Biografie einer fiktiven Figur namens Raoul. Er überrascht mit absurder Spielfreude, kämpft mit der fabelhaften und lebendigen Bühnenwelt, er geht, ohne vorwärts zu kommen oder kommt vorwärts, ohne zu gehen und hebt mit den Zuschauern in die Lüfte ab. Mehr
Mit La Veillée des Abysses und Au revoir parapluie entführte James Thiérrée bereits in den letzten Jahren das Festwochen-Publikum in sein schwereloses und fantastisches Universum. Diesmal – als Raoul – visualisiert und tanzt er eine Biografie. Diese fiktive Figur Raoul überrascht mit absurder Spielfreude, wobei Unmögliches visuell und physisch möglich zu werden scheint. Raoul kommt als starke und selbstsichere Person auf die Bühne, sieht sein Spiegelbild und beginnt sich zu fragen, wer der echte Raoul ist: Ist dieser Doppelgänger mehr Raoul als er, Raoul, selbst? Wer bin ich denn eigentlich und wer sind die anderen? Die fabelhafte Bühnenwelt aus Schrott verändert sich ständig. Ein gigantischer flacher Fisch, ein riesiger Elefant oder ein metallener Käfer werden lebendig und beginnen sich zu bewegen. Raoul ist mit ihnen und durch sie zugleich oben und unten, er geht ohne vorwärts zu kommen oder kommt vorwärts ohne zu gehen und hebt mit den Zuschauern in die Lüfte ab.
James Thiérrée bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen Zirkus, Tanz und Theater. Er debütierte im Alter von vier Jahren im Zirkus seiner Eltern Jean-Baptiste Thiérrée und Victoria Chaplin. Seitdem ist der Franzose auf vielen künstlerischen Kontinenten unterwegs. Als Akrobat, Tänzer, Mime und Violinist reiste er mit verschiedenen Zirkusformationen um die Welt. Er arbeitete unter anderem mit Peter Greenaway, Robert Wilson und Benno Besson.
Konzeption, Inszenierung und Bühne / James Thiérrée
KOSTÜME UND TIERFIGUREN / Victoria Thiérrée
SOUND DESIGN / Thomas Delot
LICHT / Jerome Sabre
Mit James Thiérrée
[...] James Thiérée beeindruckt mit absoluter Körperkontrolle, egal ob er gerade versucht, die wilden Tiere zu bezwingen, am ganzen Körper zittert oder mit Hilfe einer futuristischen Maschine durch die Luft gewirbelt wird. Bei seinem Kampf mit dem eigenen Spiegelbild ist man einfach nur noch hin und weg. Als Zuschauer erwischt man sich immer wieder in einem Anflug kindlicher Faszination, bei der einem der Mund weit offen steht. Zum Schluss jubelt das ganze Theater an der Wien, Standing Ovations vom gesamten Publikum.
Wiener Festwochen: Chaplins Enkel kann auch fliegen
„Raoul“ im Theater an der Wien ist eine fantastische, artistische Show von James Thiérrée.
[...] Ein gelenkiges Zirkuskind
Ja, dieser Artist kann auch fliegen, dreht eine kleine Runde im Parkett, dass die Leute bewundernd sagen: „Ah!“, „Oh!“ oder „Oho!“. Wieso glaubt man sich bei diesen artistischen Meisterstücken in die Stummfilmzeit versetzt? Die wackelige Hütte erinnert an „The Gold Rush“. Zufall? Nein. Thiérrée ist Charles Chaplins Enkel, seine Eltern haben in den Siebzigerjahren den französischen Zirkus erneuert, und James scheint all das Talent seiner Vorfahren geerbt, alle Tricks von ihnen gelernt zu haben. Wenn er unnachahmlich zittert, zittert mit ihm das ganze Haus. Wenn er Geige spielt, weichen die Ungeheuer zurück. Dann setzt das große Staunen ein. Standing Ovations für einen fantastischen Abend.
Die Presse, 25. Mai 2010
Verzauberndes Zirkus-Theater aus Paris: James Thiérrée als "Raoul"
Der Mensch im Kampf gegen das Chaos
[...] Mit schauspielerischem und tänzerischem Können, akrobatischer Gewandtheit und verblüffenden technischen Effekten scheint Thiérrée, einmal da und gleich darauf dort im Bühnenraum auftauchend, in dieser Fantasiewelt die Gesetze der Schwerkraft zu überwinden. Eine faszinierende, Ängste und Träume thematisierende Bilderflut, die zum Staunen, Lachen und Nachdenken einlädt, wird zum ästhetisch perfekten, mit Standing Ovations gefeierten Gesamtkunstwerk, wie man es auch in Thiérrées früheren, bei den Wiener Festwochen gezeigten Produktionen – "La veillée des Abysses" (2004) und "Au revoir parapluie" (2008) – bewundern konnte.
Wiener Zeitung, 25. Mai 2010
„James Thiérrée hat eine Fantasiewelt erschaffen, die so neuartig ist, dass es einem den Atem verschlägt.“
Evening Standard
„Eine Katastrophe ist geschehen. Hoch aufragende, flatternde Stoffbahnen und geknotete Seile deuten auf einen Schiffbruch hin; das Segel sinkt und gibt den Blick auf eine öde Landschaft frei, die fast an Beckett erinnert. Eine abgerissene Gestalt eilt hektisch vom Parkett auf die Bühne zu und erklimmt etwas, das an einen Haufen von Gerüstlatten erinnert. Aber als diese Konstruktion spektakulär zusammenkracht, zeigt sich, dass es sich dabei um eine Wohnstatt handelt, in der sich – umgeben von einigen Annehmlichkeiten wie einem Grammophon und einem Stuhl – ein Mann befindet. Eigenartiger Weise sieht er wie der Eindringling aus, schlägt gegen die provisorischen Wände, klammert sich fest an dieser letzten Insel der Sicherheit in einer verkommenen und unvorhersehbaren Welt.
James Thiérrée verknüpft Clownerie, Akrobatik und Tanz, um flüssige Geschichten zu erzählen, die gleichzeitig verwirren und entzücken. In Raoul gibt es viel zu lachen, die Arbeit will das Publikum bezaubern und ist auch von Melancholie durchdrungen. Immer wieder wird Raouls wackliges Heim von einem Angreifer mit seinem, Raouls, Antlitz bedroht, und er muss sich in ein geheimnisvolles Hinterland vorwagen, in dem sonderbare Wesen auf ihn lauern.
Der Schauwert ist großartig: Immer wenn es scheint, als ob Raoul seinen Quälgeist endlich erwischt und entlarvt hätte, verschwindet der Doppelgänger, und übrig bleibt nur er selbst in seiner eigenen Falle. Und die eigenartigen Bewohner einer Umwelt, die gleichzeitig unter Wasser und in der Luft gelegen zu sein scheint (ein aus Schrott und Fundgegenständen von Thiérrées Mutter Victoria gestaltetes Bühnenbild), sind ebenso fabelhaft. Da sind ein blubbernder, gleitender Fisch, ein bedrohlicher Metallskorpion und ein skelettartiger Riesenvogel. Thiérrées Raoul ist nicht weniger fantastisch, wie er vor unseren Augen purzelt und sich in die Höhe schwingt, sich in ein schnaubendes, galoppierendes Ross verwandelt oder einen tollenden Tröstungstanz aufführt, um sich selbst und seine armselige, aufgewühlte Heimstatt zu beruhigen, die wie jedes andere nur scheinbar unbelebte Objekt hier tatsächlich von Leben erfüllt ist.“
The Times, 15. Oktober 2009
„Er ist Showman, Akrobat, Illusionist, Trapezkünstler, Schlangenmensch, Tänzer – und dabei sind das noch gar nicht alle Fähigkeiten, die dem 35-jährigen James Thiérrée zu Gebote stehen.
Raoul ist eine faszinierende Explosion aus surrealem Konfetti, eine fortwährende Darbietung visueller Tricks und dynamischer Bewegungen, die in ihrer Gänze kaum erfassbar ist, obwohl sich das Publikum schnell daran gewöhnt, ständig überrascht zu werden. Die Arbeit ist als Soloperformance angekündigt, und doch gibt es da noch andere Elemente, die nicht im Programm genannt werden, mit denen Thiérrée unter vielen unerwarteten Bedingungen die Plätze tauscht: Er versteckt sich in einem auf dem Kopf stehenden Ölfass, um fast sofort wieder anderswo sichtbar zu werden, und scheint sich einmal sogar wie in ‚Raumschiff Enterprise’ von der Bühnenmitte weg zu beamen, um Sekunden später an einem Kabel quer über die Bühne zu segeln. Das ist Körpertheater vom Feinsten, dargeboten von einem außergewöhnlichen Künstler auf der Höhe seiner vielfältigen Talente.
In seiner neuen Soloperformance ist James Thiérrée Raoul, ein Mann ohne Anfang und Ende, der durch eine Reihe utopischer Fantasien taumelt, in denen Akrobatik, geheimnisvolle Verwandlungen, Musik und Tanz zusammentreffen – eine Welt, die gleichzeitig wohlbekannt und vollkommen fremd scheint.“
londondance.com, 14. Oktober 2009
Spielort
Theater an der WienSpieltage
23.05.10 19:30Preise
EUR 7,- / 9,- / 13,- / 16,- / 19,- / 24,- / 29,- / 33,- / 38,- / 47,- / 58,-Dauer
1 Std. 15 Min., keine Pause