Oper in drei Teilen / Aix-en-Provence / PREMIERE IM DEUTSCHSPRACHIGEN RAUM
Oper in drei Teilen von George Benjamin
Text von Martin Crimp nach dem „razo“ Guillem de Cabestanh – Le Coeur mangé eines unbekannten Autors aus dem 13. Jahrhundert
Nach dem Kammerstück Into the Little Hill ist dies die erste große Oper von George Benjamin mit einem Libretto von Martin Crimp. In der Inszenierung von Katie Mitchell wurde die auf mehreren Zeitebenen angesiedelte, vielschichtige Parabel über Kunst, Politik, Liebe und die Grenzen der Macht beim Festival von Aix-en-Provence 2012 als sensationeller Erfolg gefeiert. Mehr
Written on Skin ist die erste große Oper von George Benjamin, nach der Kammeroper Into the Little Hill (Wiener Festwochen 2008) die zweite gemeinsame Arbeit mit dem Dramatiker Martin Crimp. Die neue Oper ist eine vielschichtige Parabel über die Grenzen der Macht. Als Vorlage diente eine provenzalische Ballade aus dem 13. Jahrhundert. Ein reicher Landbesitzer lädt einen jungen Künstler zu sich nach Hause ein. Dieser soll in einem Buch seine Herrschergewalt und sein friedvolles geordnetes Zuhause, verkörpert von seiner Frau Agnès, in gemalten Bildern festhalten. Die Entstehung des Buches bestärkt die Frau in ihrer Auflehnung gegen ihren Mann, der absolute Unterwerfung verlangt. Agnès verführt den Maler und beeinflusst den Inhalt des Buches, um ihren Mann zu zwingen, sie zu sehen, wie sie wirklich ist. Dies endet in einem finalen Missachtungsakt.
Crimp versetzt die mittelalterliche Geschichte mit Szenen aus der heutigen Zeit, in denen „Angels“ das Geschehen verfolgen und auch als Ankleider und Requisiteure agieren. Die Musik von Benjamin verdichtet dieses Geschehen mit einer breiten Palette instrumentaler Farben und vokaler Pracht. Das Spiel mit den verschiedenen Zeitebenen, in denen sich Engel und Menschen, Gegenwart und Vergangenheit auf wunderbare Weise mischen, wird von der Regisseurin Katie Mitchell im Bühnenbild von Vicki Mortimer kongenial in Szene gesetzt. Nach der Uraufführung beim Festival Aix-en-Provence im Juli 2012 wurde Written on Skin als Opernereignis gefeiert.
MUSIKALISCHE LEITUNG / Kent Nagano
INSZENIERUNG / Katie Mitchell
AUSSTATTUNG / Vicki Mortimer
LICHT / Jon Clark
THE PROTECTOR / Audun Iversen
AGNÈS / Barbara Hannigan
ANGEL 1 – THE BOY / Iestyn Davis
ANGEL 2 – MARIE / Victoria Simmonds
ANGEL 3 – JOHN / Allan Clayton
ANGEL ARCHIVISTS – SCHAUSPIELER / Laura Anne Harling, Sarah Northgraves, David Alexander, Peter Hobday
ORCHESTER / Klangforum Wien
Oper die unter die Haut geht
[...] Vorlage war für Crimp und Benjamin eine mittelalterliche provenzalische Ballade, welche die Geschichte vom verzehrten Herzen erzählt. [...]
Da beginnen sich die Zeiten – Gegenwart, Mittelalter – auf klug angelegte Weise zu vermischen, was die Inszenierung von Katie Mitchell im Bühnenbild von Vicki Mortimer kongenial umsetzt. [...]
Seine Tonsprache enthält ebenso geschärfte Momente wie zarte, feine Lyrismen. Sie ist eklektisch und funktional, knüpft damit auch an eine britische Tradition an und geht mit der Polystilistik kreativ und eigenwillig um. Und sie ist sehr, sehr gut geschrieben: Wie Benjamin die Linien der Stimmen führt, sie instrumentiert, lässt einen jedes Wort des englischen Librettos verstehen. [...]
Neue Zürcher Zeitung, 11. Juli 2012
[...] Katie Mitchells ansprechende Inszenierung (im detailreichen Bühnenbild eines „aufgeschnittenen Hauses“ mit Landschaftsfragmenten von Vicki Mortimer) ließ sich von der insgesamt behutsamen, unterschwellig umso erregteren Ausdruckswelt Benjamins inspirieren – bis hin zur fast quälend eindringlichen finalen Slow-Motion-Sequenz. Drastisch brutale Aktionen beschränken sich auf wenige Momente. [...]
Opernwelt, 9/2012
[...] Auch wenn die Story etwas verstiegen klingt, in Katie Mitchells Inszenierung wirkt es wie selbstverständlich, wenn die Engel sich zusammenfinden mit dem machtgierigen Grundbesitzer, der hier Protektor heißt, seine junge Frau Agnès und dem eingestellten Büchermaler. Die überlieferte Geschichte, die Martin Crimp in eine Librettoform gebracht hat, balanciert auf dem schmalen Grat zwischen menschlicher Nähe zu den Protagonisten und einem Geheimnis, das schon deshalb obwaltet, weil mit der Handlung über 800 Jahre zurückgegriffen und ein exemplarisches Problem der Beziehung zwischen den Geschlechtern verhandelt wird. [...]
Diese Musik lässt vokale Pracht zu, ist vor allem mit warmen Blechgewittern und süffigem Streicherklang betörend opulent instrumentiert, dann aber auch wieder lakonisch verstörend.
Und für die katastrophenschwangere Atmosphäre hat Katie Mitchell genau das richtige szenische Händchen. [...]
Musik & Theater, 10-11/2012<//span>
Spielort
Theater an der WienSpieltage
14.06.13 19:30Preise
EUR 7,- / 14,- / 18,- / 21,- / 25,- / 30,- / 35,- / 43,- / 51,- / 63,- / 75,-Sprache
Englisch mit deutschen ÜbertitelnEINFÜHRUNG
Eintritt frei, 14., 16., 17. Juni, 19 Uhr, Theater an der Wien, Großer Pausenraum