Ein Raum für Imagination und Widerspruch

Es passiert hier und jetzt. In dieser Zeit, an diesem Ort. Von 10. Mai bis 16. Juni 2019 findet in Wien ein Festival statt, das sich ganz dem künstlerischen Schaffen widmet.
Die Wiener Festwochen sind ein Ort für multidisziplinäre Arbeiten: visionär und gleichzeitig mit Geschichte vertraut, international und in der Stadt verankert.

Überzeugungen sind die Antriebskraft des Festivals; die Festwochen möchten sie ausführlich vermitteln und teilen. In einer Zeit, in der große Teile der Welt von einem antagonistischen Populismus regiert werden, der Politik  als einen Kampf zwischen dem anständigen „gewöhnlichen“ Volk und einer korrupten Elite darstellt, ist der vielschichtige subtile Raum, der durch die zeitgenössische künstlerische Praxis geschaffen wird, von besonderem Wert. In Gesellschaften, in denen Äußerungen immer transparenter kommuniziert werden und anfällig sind für (Fehl-)Interpretationen und (missbräuchliche) Aneignung, gibt es einen hohen Bedarf an Ausdrucksformen, die auf Intuition setzen. Die Künste und insbesondere jene, die live stattfinden, verfügen über die Fähigkeit, spontane Gesten wiederzufinden, uns von vorgefertigten Diskursen wegzuführen und einen Raum für Imagination und Widerspruch zu sichern. 

Bei den Wiener Festwochen kann man Visionen erleben, die Offenheit und Neugierde auf das scheinbar Fremde und Unbekannte fördern. Das Festival versucht ein Gegenmittel für jede Form von Selbstüberhebung zu sein, für jeglichen Reflex von Konservatismus, für die Tendenz, das zu schützen, wovon wir Angst haben, es zu verlieren. Um der Kurzsichtigkeit entgegenzuwirken, behaupten die Festwochen, dass es sich lohnt, die Fenster zu öffnen, die Welt zu sehen. Ihre Vision von Wien ist nicht die einer abgeschotteten Stadt, sondern die eines pulsierenden Ortes, an dem Weltoffenheit vorherrscht – eine Stadt, die nach vorne blickt. Eine Weltstadt, die sich mit Migration und wechselnden Identitäten beschäftigt und sich, über das touristische Image hinaus, auch im 21. Jahrhundert als ein fortschrittliches und kreatives Zentrum etabliert. 

Über einen Zeitraum von fünf Wochen lädt das Festival dazu ein, sich mit Komplexität und Nuancierungen auseinanderzusetzen – mit den Werken von mehr als 40 Künstler*innen, starken originellen Stimmen, die sich dem Trend und einer normativen Korrektheit widersetzen. Die Wiener Festwochen 2019 wurden nicht thematisch konzipiert. Sie beschäftigen sich nicht mit einem konkreten Thema, sondern versuchen etwas zu gestalten. Am Eröffnungswochenende wird ausgehend von einem bestimmten Gemeindebezirk (Donaustadt) erkundet, welche Bedeutung einem Stadtfestival zukommen kann. Eine Reihe von künstlerischen Projekten wird spezifisch für diesen Stadtteil und/oder zusammen mit seinen Bewohner*innen entwickelt und adressiert Fragen des Zusammenlebens.

Das Festival bietet die Möglichkeit, die neuesten Arbeiten bedeutender Persönlichkeiten der internationalen Szene zu sehen. Aber einen genauso wichtigen Stellenwert nehmen aufstrebende Künstler*innen aus verschiedenen Teilen der Welt ein. Das Programm bildet eine Einheit, eine grundlegende Partitur; ist Ausgangspunkt für Dialog und Reibung zwischen Generationen, Ästhetiken und Positionen. In diesem Jahr stellt das Festival neue ambitionierte Arbeiten von Angélica Liddell, Faustin Linyekula, Krystian Lupa, Milo Rau, Markus Öhrn und vielen anderen vor. Sie befassen sich mit brennenden Fragen zu Zensur und Konformismus, greifen auf die Vergangenheit zurück, um sich in der Gegenwart zu verorten. Großes Interesse hat das Festival an Künstler*innen, die Disziplinen öffnen und so den durchlässigen Raum zwischen den künstlerischen Sprachen neu definieren. Der renommierte Filmemacher Apichatpong  Weerasethakul  erweitert das Kino in die drei Dimensionen eines Bühnenraums. Sein Kollege Béla Tarr, ein weiterer wichtiger Künstler in der Geschichte des Kinos, bietet Wien ein neues Werk! Missing People ist ein Film und eine Installation mit Livemusik, eine Arbeit, in der die Aufmerksamkeit auf die unsichtbaren Bewohner*innen dieser wohlhabenden europäischen Stadt gerichtet wird.

(Live-)Musik spielt grundsätzlich eine wichtige Rolle im Programm. Mehrere Choreograf*innen zeigen auf erfrischende und unerwartete Weise, wie Musik und Sound inszeniert werden können – von Anne Teresa De Keersmaekers brillanter Auslegung von Bach bis zu François Chaignaud und Marie-Pierre Brébants Interpretation der Melodien von Hildegard von Bingen und Marcelo Evelins physischem Kontrapunkt zu Schubert.

Die Wiener Festwochen präsentieren nicht nur bemerkenswerte künstlerische Arbeiten, sondern bieten auch Raum für Gespräche, Workshops … und Partys! 
Von der Donaustadt zum Volkstheater und zu den Gösserhallen – die wandernde Festwochen Bar ist immer ein Ort der Begegnung und des Austauschs. 

Wir laden Sie herzlich ein, uns zu begleiten.
Es passiert hier und jetzt. In dieser Zeit, an diesem Ort.


Christophe Slagmuylder (Intendant) 
und das Team der Wiener Festwochen
 

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