Statement von Christophe Slagmuylder und What, How & for Whom/WHW

Dieses Projekt bildet einen Prolog zu And if I devoted my life to one of its feathers?, einer Ausstellung, die, ausgehend von indigenen Theorien der Erkenntnis, die Möglichkeiten der Verknüpfung poetischer Gesten mit radikalem politischem Handeln erkundet. Sie widmet sich künstlerischen Praxen, die der Zerstörungskraft entgegentreten, mit der überkommene koloniale Strukturen im Verbund mit dem Patriarchat und einem ausbeuterischem Kapitalismus noch immer Leiden und Umweltzerstörungen im globalen Maßstab verursachen. Die Ausstellung sollte am 29. Mai 2020 eröffnen, musste dann aber kurz vor der Fertigstellung wegen der weltweiten Corona-Krise auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Der Kurator, Miguel A. López, lebt auf einem anderen Kontinent, in Costa Rica, wo der Ausnahmezustand ausgerufen wurde; der Ausstellungsraum der Kunsthalle Wien wurde für über zwei Monate geschlossen; die Wiener Festwochen, in deren Rahmen die Schau stattfinden sollte, wurden in ihrer ursprünglichen Form abgesagt; Künstler*innen sitzen im Ausland fest, während ihre Werke, für die Reise in Holzkisten verpackt, noch immer darauf warten, abgeholt zu werden. Die Gruppenausstellung mit Arbeiten von über 35 Künstler*innen aus aller Welt – vom Amazonasgebiet bis Australien, von Guatemala bis Indien – wird dieses Jahr nicht wie zunächst geplant stattfinden können, soll aber 2021 in vollem Umfang gezeigt werden.

Einstweilen freuen wir uns, Ihnen mit einer Auswahl von Arbeiten für den öffentlichen Raum einen ersten Vorgeschmack auf die Ausstellung zu geben. Die Präsentation versucht, einige der Stimmen und Themen der Schau in ein Medium zu übersetzen, das mit den Hindernissen und Umständen vereinbar ist, mit denen Kulturproduzent*innen in aller Welt dieser Tage umgehen müssen. Dazu wurden sechs künstlerische Statements eigens für das Format der großen Werbetafel entwickelt, digital übermittelt, ausgedruckt und in ganz Wien verteilt plakatiert. Der öffentliche Raum ist zuletzt zum Schauplatz der einschneidendsten Veränderungen in unserem Alltag geworden. Zuerst war er unzugänglich oder nur stark eingeschränkt nutzbar. Jetzt aber sehen wir ein Wiederaufleben der Möglichkeiten, die er für einen körperlich erlebbaren gesellschaftlichen Dialog bietet – und die künstlerisch aktiviert werden wollen. Wir laden Sie ein, die sechs neu entstandenen Kunstwerke auf 250 Werbeflächen in der ganzen Stadt zu entdecken.

Danken möchten wir dem Kurator Miguel A. López und den Künstler*innen Manuel Chavajay, Chto Delat, Inhabitants mit Margarida Mendes, Daniela Ortiz, Prabhakar Pachpute und Sophie Utikal für dieses zum Nachdenken anregende Gemeinschaftsprojekt und ihre aktuellen und poetischen Beiträge. Wir freuen uns sehr darauf, ihre Arbeiten in den Straßen der Stadt zu sehen – und fiebern schon jetzt der Eröffnung der Ausstellung And if I devoted my life to one of its feathers? in der ursprünglich geplanten Form im Mai 2021 in der Kunsthalle Wien entgegen.

Christophe Slagmuylder, Intendant, Wiener Festwochen, und What, How & for Whom/WHW, Direktorinnen, Kunsthalle Wien

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