Das Ganze wird komplettiert von einer Plakatausstellung und einem ganz neu hergestellten Dokumentarfilm zu den Festwochen – und noch etwas kehrt zurück: das mythische Festwochen W, global und synkretistisch upgedatet für die Republic of Gods! Doch damit längst nicht genug, denn auch 2026 werden die Festwochen wieder zum diskursiven Hotspot der Saison! Sei es bei den Diskurs- (Holy Spring) und Performance-Reihen (Mythical Ark) auf dem Badeschiff (Haus und Club der Republik), wo sich Glaubens-Extremist:innen und rechte wie linke Prophet:innen, Endzeit-Prediger:innen und Gottessucher:innen das Mikrofon in die Hand geben – und die Festwochenband Gods Republic gleich fünf Konzerte veranstaltet, von Death Metal bis Spiritual Folk.
Der Rat der Republik setzt derweil, unterstützt von Expert:innen, seine Implementierung der Wiener Erklärung fort – denn nicht nur spirituell, sondern auch ganz praktisch wollen wir eine wahre Republic of Gods, ein genauso respektvolles wie gerechtes Kunstfestival werden! 2026 geht es um die Punkte Quoten und Finanzierung – also um die Frage nach Repräsentation und Kapital, die zwei heimlichen Göttinnen (oder Heiligen Kühe) unserer Zeit. Auch die rein weibliche Komponistinnen*-Akademie – die Akademie Zweite Moderne – lädt wieder zehn weltweit führende Komponistinnen* nach Wien ein und diskutiert beim Gipfeltreffen Fragen rund um Aneignung in der Musik. Und in einem Glaubenstribunal fordern schließlich Gläubige dieser Welt ihr Recht: Was haben Kreuze und heilige Gesänge auf der Bühne zu suchen, warum küssen sich auf den Plakaten der Festwochen ein Rabbi und eine Muslima, warum schmücken sich Rechtsradikale mit Zitaten aus der Bibel und europäische Museen mit Kultgegenständen aus den Kolonien? Sind unsere Geschichten und Traditionen vielleicht vor allem eines: profan und gotteslästerlich, rücksichtslos und übergriffig?
So lädt sich die Freie Republik die ganze Welt nach Wien ein – kämpferisch und (selbst)kritisch. Denn auch im 75. Jubiläumsjahr gilt in der Freien Republik der republikanisch-anarchische Grundsatz: Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers! It’s Time for New Gods – von allen für alle!
Milo Rau &
das künstlerische Team
der Wiener Festwochen | Freie Republik Wien