Krystian Lupa Proces

© Magda Hückel

»Jemand musste Josef K. verleumdet haben.« 
Der Prozess erzählt von einem Durchschnittsbürger, der plötzlich von einer ominösen Autorität bedroht wird. Krystian Lupa, einer der wichtigsten polnischen Regisseure, wollte diesen Stoff schon lange auf die Bühne bringen – nicht zuletzt wegen der deutlichen Analogien zur Lage in Polen seit der Machtübernahme der PiS- Partei. Die 2016 in Breslau begonnenen Proben mussten unter einem regierungstreuen Intendanten abgebrochen werden, erst im Herbst 2017 konnte mit Hilfe polnischer und europäischer Theater die Zensur umgangen werden. In Wien bietet sich nun die seltene Gelegenheit, Lupas Werk zu sehen. In dem präzise gespielten Stück mit akkurat eingesetzten Videoprojektionen hält Lupa sich mal mehr, mal weniger an die Vorlage von Kafka. Ohne Drastik oder Absurditäten zu scheuen, setzt er sich mit den Abgründen menschlicher Psyche ebenso auseinander wie mit den aktuellen Verhältnissen in Polen. Die murmelnde Stimme aus dem Off, die dem Künstler selbst gehört, verstärkt die atmosphärische Dichte. Es ist eine sogartige, bis ins letzte Detail mit Bedeutung aufgeladene Inszenierung – große, hochpolitische Kunst.

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