Milo Rau / NTGent Orest in Mossul

© Stefan Bläske
© Michiel Devijver
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 »Es geht nicht mehr nur darum, die Welt darzustellen. Es geht darum, sie zu verändern.« So beginnt das Manifest, das Milo Rau als neuer Leiter des Stadttheaters NTGent verfasst hat. Der 2018 mit dem Europäischen Theaterpreis ausgezeichnete Schweizer, einer der kontroversesten und erfolgreichsten zeitgenössischen Theatermacher, legt mit seinen dokumentarischen Arbeiten den Finger in die Wunden der Gegenwart – und verändert sie tatsächlich: Sein Kongo-Tribunal, zum Beispiel, zwang zwei Minister zum Rücktritt. In Wien, wo seine Inszenierungen bisher selten zu sehen waren, präsentiert er bei den Wiener Festwochen eine brandneue Arbeit. In Orest in Mossul begegnet er der antiken Tragödie von Aischylos ganz im Sinne des Manifestes: »wörtliche Adaption verboten.«
Was Rau an der Orestie interessiert, ist die Einführung eines modernen Rechtssystems. Ein Ende des blutigen Teufelskreises aus Mord und Rache ist erst durch einen Prozess möglich, der eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft erlaubt. Als Vorbereitung für sein Stück arbeitet er im Irak und stellt anhand der antiken Tragödie eine wichtige Frage zu einem aktuellen Konflikt: Wie begegnet man der Gewalt im Nahen Osten und ganz konkret den IS-Kämpfer*innen, ohne in archaische Muster zu verfallen?

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