Christoph Meier, Ute Müller, Robert Schwarz, Lukas Stopczynski LAX BAR

© Anna Breit
© Ute Müller
© Ute Müller
© Ute Müller

Alles begann als vier Kunstschaffende aus Österreich und Deutschland auf Artists’ Residency in Los Angeles beschlossen, die berühmte American Bar von Adolf Loos nachzubauen. Der elegante Klassiker der österreichischen Moderne passte nämlich fast perfekt in ihr Hinterhof-Studio – nur eben kleiner skaliert. Mit wenig finanziellen Mitteln wurde Mahagoni zu Karton, Glas zu Fliegengitter und anstatt Signature Cocktails gab es alles „on the rocks“. Der Wiener Charme des legendären Originals stellte sich auch in der Baumarkt-Version ein und bald trank und schwitzte die Kunstszene von L. A. zusammengepfercht zwischen den Pressspanplatten. Zwei Jahre später wurde die Bar im Kellergeschoss eines Brüsseler Kunstraums wiedergeboren, mit einem Interieur zur Gänze aus Schilf. Und weil sich nun ein ehemaliger Schallplattenladen in Wien Favoriten mit seiner verdächtig Loos’schen Fassade geradezu anbietet, soll die Bar noch ein drittes Mal in Erscheinung treten. Die LAX BAR ist eine begehbare Rauminstallation und gestaltet sich im konsequenten Spiel mit Maßstab und Material. Als Kopie bewusst fehlerhaft und visuell verfremdet, geografisch ihrem Original so nah wie nie zuvor. An manchen Abenden ist die LAX BAR auch performatives Happening, einschließlich einer Reihe künstlerischer Gastauftritte. Und wenn dann ein Freitag den nächsten bedingt, ist sie vor allem auch: eine ziemlich gute Bar.


Am 17. Mai in der LAX BAR

Philipp Quehenberger am Barpiano // Rosa Anschütz live // „Sad Hour“ zu Mitternacht

Am Barpiano gibt sich die klavieristische Stadtverblüffung Philipp Quehenberger mit Variationen aus Bachs Die Kunst der Fuge die Ehre (Einfache Fugen, Gegenfugen, Spiegelfugen, Schattenfugen). So fugue-ing great to play!
Ein weiteres Highlight des Abends ist Rosa Anschütz live: elektronische Arrangements und hypnotisierender Gesang. Um Mitternacht beginnt die „Sad Hour“ – traurigere Musik und teurere Getränke

Am 24. Mai in der LAX BAR:

Philipp Quehenberger am Barpiano // Jung an Tagen live (LAX BAR commission) // „Sad Hour“ zu Mitternacht

Immer noch am Barpiano: Philipp Quehenberger pflegt so unermüdlich wie virtuos  Die Kunst der Fuge zwischen Johann Sebastian Bach und The Caretaker. Mit einer neuen Komposition für das Mehrkanal-Soundsystem der LAX BAR taucht Jung an Tagen diese in komplexe Klanglandschaften und lässt die Polyrhythmen nur so auf die Fliesen prallen. Polished!
„Sad Hour“ um Punkt Null Uhr, traurigere Musik und teurere Getränke.

Am 31. Mai in der LAX BAR:

(UN)GEILE ABMESSUNG // Die Vorspielservice // „Sad Hour“ zu Mitternacht

Marino Formenti alias MC LOOOOOSE führt eine Abmessung der LAX-BAR durch, der physischen sowie sozialen Kubatur. Das musikalische Material besteht ausschließlich aus Musik, das, wie auch die Loos-Bar, 1908 entstanden ist – ehemals Skandal-Klänge von Alban Berg, Arnold Schönberg, Charles Ives, Gustav Mahler, Erik Satie, Schlager aus demselben Jahr, wie das überaus laszive “Cuddle Up a Little Closer, Lovely Mine”. Das Material wird wiederum durch den physischen/sozialen Raum gezogen, abgemessen. 

Als Hommage an das ehemalige Geschäftslokal der heutigen LAX BAR - das 1959 eröffnete “Schallplatten Brigitte” (einst Haupt-Anlaufstelle für die Wiener Discjockeys der 60er und 70er Jahre) und dessen Gründerin, Musik-Fachfrau und geschmackssichere Business-Woman Brigitte Komarek, wird dort ein letztes Mal der Handel mit Vinyl wiederaufgenommen:  DJs des legendären Kollektivs female:pressure spielen und kommentieren ausgewählte Scheiben aus ihrem unerschöpflichen Archiv und exclusive Original Hits aus dem Brigitte Sortiment, die live erstanden werden können. 
Das ganze allerdings mit transponierten Tonhöhen - LAX-BAR style! 

„Sad hour“ wieder zu Mitternacht: traurigere Musik und teurere Getränke

Am 7. Juni in der LAX BAR:

Philipp Quehenberger am Barpiano // Mitglieder des BAchCHorWien // „Sad Hour“ zu Mitternacht

Dreieinhalb Wochen LAX BAR und immer wieder Die Kunst der Fuge, dreieinhalb Wochen Klavierexerzitien mit Philipp Quehenberger. Ganz im Sinne der Fuge üben Mitglieder des BAchCHorWien die polyphone Mehrstimmigkeit und haben für die LAX BAR ein Programm aus J. S. Bachs Motetten und Messen einstudiert. 

„Sad Hour“ zu Mitternacht mit traurigerer Musik und teureren Getränke.

Am 14. Juni in der LAX BAR:

Die Rückkehr des Dr. LOOOSE // Bobby Would - Fare Well Family Showcase // „Sad Hour“ zu Mitternacht // Natascha Muhic (Vinylograph)

Zwei Wochen nach seiner "(Un)geilen Abmessung” kehrt MC LOOOSE aka Marino Formenti in die LAX Bar zurück, um Raum und Menschen erneut zu vermessen. Der interaktive Anteil wird erhöht und erniedrigt. Ziel der erneuten Untersuchung ist weiterhin, die für Musik lebenswichtige Osmose zwischen Autismus und Einfühlung, Isolation und Teilnahme am beispiellosen Beispiel der LAX BAR zu forschen. Durchaus archetypische Evergreens der Barmusik, wie etwa Johann Sebastian Bachs Kunst der Fuge und John Cage ASLSP, bilden das Material, vielleicht aber auch Frank Sinatra und Originalklänge. Musik von 1908 oder auch nicht. Für eine Spende im fünf- bis zwölfstelligen Bereich kann man sich das Lieblingslied seines Lebens wünschen und es nicht wiedererkennen.

Mit wehmütigen Rock’n’Roll Lullabies bespielt Bobby Would nicht nur den Abschluss einer langen Europa Tour sondern auch den letzten Abend in der LAX BAR. Damit der Abschied nicht ganz so schmerzt, liefert eine live Band aus Weggefährt*innen von Heavy Metal, Sick Horse, HÄXXAN, Acid Baby Jesus, Victor, Delfin, Schiach und Muscle Barbie musikalischen support!
Ein letztes Mal heißt‘s „Sad hour“ zu Mitternacht: traurigere Musik und teurere Getränke. Und wie viel Architekturtheorie in ein DJ Set passt, beweist Natascha Muhic mit ausgewählten Platten - von Wiener Bed Room Punks bis Mies van der Rohe! Architecture as an expression of the innermost structure of time.

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