Day 14

Drei Stimmen aus Suite n°4

Übersicht digitale Gesten

Die geisterhafte Eigenschaft der Stimme ist ein zentrales Element in der vierten und letzten Folge der Suites von Encyclopédie de la parole. Aus ihrem riesigen Archiv von Audioaufnahmen kommen Sprecher*innen aus der Vergangenheit zurück und manifestieren sich genau durch ihre Abwesenheit. Da dies in den von Eingesperrtsein und Lockdown geprägten Zeiten des Coronavirus sogar noch mehr zutrifft, haben wir für unsere Online-Gesten drei Stimmen von Suite n°4 ausgewählt. Die Rufe eines Hirten in den Pyrenäen, eine Ansage aus dem New Yorker American Museum of Natural History und die Rezitation des alten Lotos-Sutra wird Ihnen einen kleinen Einblick geben, was man erwarten kann, wenn das Stück bei den Wiener Festwochen 2021 präsentiert wird.

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Francis ist seit fünfundzwanzig Jahren Almhirte in den Pyrenäen. Unsere Aufnahme stammt aus einer Radioreportage über ihn von Robin Hunziger aus dem Jahr 2005 für Arte Radio (die vollständige Fassung ist dort unter dem Titel Les Bergers abrufbar). Die Reportage erläutert nicht den Sinn oder die Funktion seiner Schreie, die zu hören sind: Der Ruf nach der Herde? Kommunikation mit anderen Hirten? Vielleicht auch nur die Freude daran, wie die eigene Stimme im Tal von Hang zu Hang springt.

the museum will be closing in ten minutes, das Museum wird in zehn Minuten geschlossen

Das American Museum of Natural History von New York ist eines der größten Museen für Naturgeschichte der Welt. Es liegt an der Upper West Side am Central Park und besteht aus 26 miteinander verbundenen Gebäuden, die eine Dauerstellung in 45 Sälen sowie ein Planetarium und eine Bibliothek beherbergen. Es zählt jährlich 5 Millionen Besucher*innen. Auf unserer 2018 von einem gewissen Kyles auf der website freesound.org geposteten Aufnahme hört man die Ansage kurz vor 18 Uhr, mit der die bevorstehende Schließung des Museums angekündigt wird. Fünf Frauenstimmen sprechen in fünf Sprachen: Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Japanisch.

Nam Myōhō Renge Kyō, Lotos-Sutra

Der Nichiren-Buddhismus ist ein im 18. Jahrhundert vom gleichnamigen Mönch gegründeter japanischer Zweig des Buddhismus. Er gehört zum Mahayana-Buddhismus (“Großes Fahrzeug”), zu dem unter anderem auch der chinesische Chan-Buddhismus und das japanische Zen zählen. Bei diesem Zweig wird jede spirituelle Übung zum Wohl der anderen Wesen durchgeführt, Erleuchtung kann man in nur einem Leben erlangen und die Sutren sind Unterweisungen, die direkt von Buddha kommen und somit für heilig gehalten werden. Die Texte sind daher oft mit Edelsteinen verziert oder auf vergoldeten Platten eingraviert und sogar Gegenstand von Prostrationen. Schon das Aussprechen des Titels eines Sutra wird als wohltuend erachtet.

Nichiren machte das Lotos-Sutra zur zentralen Lehre seiner Unterweisungen. Darin wird beschrieben, was mehrere Traditionen „Samen des Erwachens“ oder das „Tathagatagharba“ nennen, also das Potenzial jedes Einzelnen, mithilfe von tugendhaften Taten und schnellen, wirksamen und „gekonnten Mitteln“ die Buddhaschaft zu erlangen.

Gongyō (wörtlich „fleißige Ausübung“) ist die grundlegende Praxis des Nichiren-Buddhismus. Sie besteht darin, den Titel des Lotos-Sutra Nam Myōhō Renge Kyō zu wiederholen, oft gefolgt von der Lektüre eines Teils der Kapitel 2 („Zweckmäßige Mittel“) und 16 („Die Lebensspanne des Tathagata“). Das Gongyō wird jeweils morgens und abends vollzogen.

Unsere Aufnahme ist ein Tutorial, um die Aussprache des Gongyō, langsam rezitiert, zu erlernen. Seitdem es am 7. Februar 2013 ins Netz gestellt wurde, ist es 1.823.202 Mal angeklickt worden.

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