Day 24

Fünf Videos zu Mitsouko & Mitsuko

Übersicht digitale Gesten

Für die Festwochen 2020 reframed präsentiert Michikazu Matsune fünf Videoclips mit performativen Elementen seines verschobenen Stücks Mitsouko & Mitsuko, eines in Zusammenarbeit mit der Wissenschafterin Miwa Negoro und den Künstlern und Musikern Adina Camhy und Camilo Latorre entwickelten Projekts. Auf einer Textebene liefert Matsune zudem einen persönlichen Einblick in seine Recherchen und Gedanken zur Entstehung des Stücks. Mitsouko & Mitsuko wird 2021 bei den Wiener Festwochen zu sehen sein.

Das Parfum

Das Projekt Mitsouko & Mitsuko begann, als ich darüber nachdachte, warum Guerlains Parfum Mitsouko einen japanischen Frauennamen trägt. Nachforschungen zum Ursprung des Namens brachten mich auf ein unglaubliches Netz von Anekdoten rund um zwei japanische Frauen aus der Vergangenheit. Ihre Geschichten spiegeln die turbulenten Zeiten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wider. Das Parfum, das 1919 -̶ vor über 100 Jahren -̶ in Paris zum ersten Mal hergestellt wurde, wird auch heute noch verkauft. Ich stieß in einem Kaufhaus im Zentrum von Wien darauf. Hier im Video sieht man, wie die Flasche gegen den Uhrzeigersinn rotiert, als würde sie meine Reise in diesem Projekt symbolisieren. Eine Reise, die mich in der Zeit zurückführte, zurück in die vergessene Zeit.

In meinen Händen

Drei wichtige Worte sind Teil dieses Projekts.
Diese Begriffe sind eigentlich zu groß, um von mir mit meinen Händen erfasst zu werden.

  • „Gelbe Gefahr“, nimmt Bezug auf den Fremdenhass und die Angst vor Asiat*innen, die Ende des 19. Jahrhunderts vermehrt in den Westen kamen. Grundlage dafür war die Annahme, dass Leute aus Ostasien die Welt erobern und übernehmen würden.
  • „Zusammenschluss oder Zusammenbruch“ heißt der Essay von Richard Coudenhove-Kalergi, in dem er 1937 für die Einigung Europas eintritt.
  • „Amour Fou“ zollt Liebesgeschichten Hommage, die in Mitsouko & Mitsuko vorkommen.

Der Hafen von Kobe

1896 verließ Mitsuko Aoyama Japan mit ihrem Ehemann Heinrich Coudenhove-Kalergie und ihren Söhnen Hans und Richard in Richtung österreichisch-ungarisches Kaiserreich. Sie segelten vom Hafen von Kobe los, jener Stadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin. Sie erreichten Europa zwei Monate später. Mitsuko, damals erst 22 Jahre alt, kam nie wieder nach Japan zurück.

Anfang Februar 2020 war ich auf einem Ausflugsschiff vor Kobe. Während der Fahrt versuchte ich mir Mitsukos Schicksal vorzustellen, wie es heillos mit der weit verzweigten Weltgeschichte verflochten war.

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