Reinhold Friedl über
Iannis Xenakis

Was wollen wir feiern an Xenakis' hunderstem Geburtstag? Seine radikalen Werke, seine Klangsinnlichkeit, seine Ideen, seine vielfältigen Inspirationen, seine Wirkungen, seine Widersprüchlichkeiten … und insbesondere: Wo sind Xenakis‘ Ideen heute?

Iannis Xenakis hat den musikalischen Kosmos revolutioniert. Als Architekt realisiert der Komponist eigene Hörräume, dachte Musik mehrdimensional und räumlich. Klänge dürfen sich bewegen, aus unterschiedlichsten Richtungen auf den Hörer einprallen, überwältigen, laut sein, kurzum: immersiv. Wilde rauschhafte Klangsituationen haben es Xenakis angetan – sie hatten ihn geprägt: das Singen der Zikaden in seiner griechischen Heimat, aber auch die Tumulte im anti-faschistischen Widerstand oder das Fliegen der Geschosse im Straßenkampf gegen die britische Besatzung. Xenakis hatte durch eine Granate schwere Gesichtsverletzungen erlitten und floh, zum Tode verurteilt, 1947 ins französische Exil. Geräusche wurden ihm musikalisches Material und das Fremde willkommen: Bis heute ist kaum bekannt, wie sehr er außereuropäische Musiken liebte, und wie unverblümt er diese in seine Tonbandmusiken einbaute. So eröffnen sich drei Blickwinkel: musikalische Verräumlichung, außereuropäische Musik und Emanzipation des Geräusches.

Eckpfeiler des Programms ist die räumliche Wiedergabe der radikalen elektroakustischen Mehrkanalwerke: La Légende d’Eer zur Eröffnung, Bohor, das große Skandalstück mitten in der Nacht und Persepolis, das lichtverheißende längste Werk zum Morgengrauen. Selbstverständlich in angemessener Hörsituation mit Kissen und beweglichen Stühlen. Dargeboten von ausgewiesenen Spezialist:innen elektronischer Musik: Wolfgang Musil, Thomas Grill und Katharina Klement, allesamt Lehrkräfte des Lehrgangs für elektronische Musik ELAK an der mdw. Eine Präsentation ausgewählter Werke mit Xenakis-Bezug aus dem Umfeld der ELAK wird ebenfalls zu hören sein!

Japanische Biwa-Musik, die Xenakis eine „Erweckung“ war, wird das Ohr über die europäischen Grenzen lenken. So monolithisch diese ist, so klangsinnlich die laotische Mundorgel in Bohor, so körperlich und mitreißend sind die Perkussionsmusiken aus Afrika. Elektronische Musik, längst dort angekommen, kommt nun zurück mit den imaginären Balafon-Orchestern des DJ DIaki, tanzbar und genauso überwältigend wie Xenakis‘ Daumenklavier-Schichtungen. Im Basement werden Kink Gongs Fieldrecordings-Montagen präsentiert, Rashad Backer widmet sich der elektronischen Musik unbekannter Spezien, Klangschwärme fliegen in Marcus Schmicklers Klanggewittern durch das Gebäude, ein Chor ersingt den Raum unter Leitung Guy Reibels, im Basement erklingen akribische Klangrecherchen von Jim O’Rourke und Gilles Sivilotto. Lee Ranaldo, soundprägender Sonic-Youth-Gitarrist, und das kalifornische Musikerinnen-Duo Blectum from Blechdom zelebrieren die Freiheit des Geräusches. Dort ist es heute beheimatet, aber auch unverkennbar in den Klanggewittern der Kopenhagener Musikerin Puce Mary. Xenakis hätte das genossen! Gerriet K. Sharma hingegen kitzelt mit seinem multidirektionalen IKO-Lautsprecher die Raumresonanzen im Basement hervor. Getanzt werden aber darf schließlich auch bei DJ Marcelle, mit unverhohlenen Xenakis-Referenzen. Xenakis zum Hundertsten: ein Fest!

Und wer es genauer wissen will, sollte sich auf keinen Fall die Keynotes des Komponisten und Elektronikers Marcus Schmicklers und des Architekten Markus Penell (Ortner & Ortner) entgehen lassen und ist zudem herzlich eingeladen schon am Nachmittag am nUFO-Workshop von Alberto de Campo und Kollegen teilzunehmen.

Über die Mitwirkenden


Blectum from Blechdom (live)
Die beiden Musikerinnen aus San Francisco lieben elektronische Avantgarde-Musik. Und Glitch hat sie geprägt. Als unsere Anfrage sie erreichte, hörte Bevin Kelley gerade die neue Xenakis-Box, besser konnte es sich nicht treffen. Und wir hören den Einfluss und den Hang zu kratzigen Einlagen, herber Elektronik, die sich immer wieder hinter melodiös-humorvollen Songs versteckt. Ideal für die Xenakis-Party!

DJ DIaki (DJ)
Bei einem Fest muss auch getanzt werden! Xenakis liebte afrikanische Perkussion, in dieser langen Nacht kann man sie auch immer wieder hören in Persepolis oder La Legende d'Eer, wo immer wieder wilde Texturen von zentralafrikanischem Daumenklavier aufscheinen. Xenakis fand gar, dass die senegalesische Trommelkunst seiner eigenen stochastischen Musik gleiche. Nun aber haben sich die Dinge verkehrt: die elektronische Musik ist in Afrika angekommen und das Label Nyege Nyege Tapes aus Uganda genießt Kultstatus. Und wie Xenakis einst Daumenklaviere überlagerte, schichtet nun der malinesische DJ DIaki marimbaartige Balafon-Grooves übereinander. Verschiedene Rhythmen zur gleichen Zeit, genau so wie es sich Xenakis erträumt hat: Bei DJ DIaki geht das allerdings auch direkt in die Beine.

DJ Marcelle (DJ)
Sie ist längst keine Unbekannte mehr, auch wenn sie für die Verwendung des Unbekannten, Überraschenden und Risikofreudigkeit steht. Wie in Xenakis‘ Polytopen – die davor und danach erklingen – schichtet DJ Marcelle heterogenes Material übereinander, findet Zusammenklänge von Avantgarde und Hip-Hop, African dance music und Tierstimmen, avanciert am DJ-Pult zur Komponistin. Das Material ihrer 20.000-LP Sammlung scheint unerschöpflich und Marcelle hat speziell für diesen Abend einen Xenakis-Hommage-Set konzipiert. Ob sie sich dann daran hält ist eine andere Frage: Freiheit ist ihr Credo, Underground ihre Herkunft und Monty Python lässt grüssen. Wir freuen uns auf die 'lifetime resident DJ' des Uganda Nyege Nyege Music Festivals!

Gerriet K. Sharma / IKO (live)
Gerriet K. Sharma raumbezogenes IKO-Projekt setzt Xenakis Verräumlichungsideen auf verblüffende Weise fort, verwendet statt direkter Mehrkanalbeschallung eine Lautsprecherkugel, die präzise gesteuert in alle Richtungen Klang abstrahlen kann. Das Ergebnis ist beeindruckend und wie in Xenakis Polytopen wird der Raum selbst zum Instrument. Was wir hören sind zumeist Erstreflektionen des irgendwo im Raum befindlichen IKO. Sharmas Klangtexturen erhalten dadurch eine ungeahnte Räumlichkeit und überraschen durch sich überlagernde imginäre Klangpositionen. Wie ein Bogen die Geige, so spielt der IKO den Raum und kann in einen Klangrausch entführen.

Gilles Sivilotto: handmade 02 (live)
Der französische Elektroakustiker Gilles Sivilotto hat zwar in Kalifornien und am IRCAM alle Finessen der Softwarekomposition gelernt, dieser aber gänzlich abgeschworen. Seine Sample-Kurven zeichnet er seitdem von Hand mit der Maus am Computer. Wenige Minuten Musik erfordern obsessive tagelange Arbeit und gemahnen doch an Xenakis‘ UPIC-Versuche: graphische Elemente werden direkt in Musik transferiert. Sivilotto hat dies hier noch überhöht: jeder einzelne Samplewert ist handmade. Eine rohe, kantige, widerborstige Musik.

Guy Reibel & Construction Choir Collective (live)
Guy Reibel ist eine lebende Legende und vielfältig wie kaum ein anderer Komponist seiner Generation: er leitete die musikalische Forschungsabteilung Pierre Schaeffers am französischen Rundfunk, spielte als Dirigent erstmals das vokale Gesamtwerk Ligetis auf CD ein, dirigierte aber auch Xenakis und leitete eine Kompositionsklasse am Pariser Konservatorium. Zu Ehren Xenakis wird er mit dem Wiener Construction Choir Collective seine Jeux Vocaux aufführen, die in ihrer räumlichen Anlage, ihrer Flexibilität, den Klangschichtungen, aber auch Glissandofeldern und ihrer Herkunft aus der musique concrète die Verwandschaft mit Xenakis nicht verleugnen können. Wilde Chormusik, frei und immersiv.

Isabelle Duthoit (live) ist eine Ausnahme-Sängerin – besser: Stimmkünstlerin – aus Frankreich. Wenn Ligeti mit Atomsphères bewies, dass ein Orchester wie Elektronik klingen kann, so beweist Isabelle Duthoit, dass eine Stimme wie ein stochastischer Gräuschgenerator des späten Xenakis klingen kann. Fast würde man sagen: klingen muss, so faszinierend und überraschend sind ihre stimmlichen Darbietungen. Außermusikalisch geradezu, an Techniken der persischen Perlenfischer erinnend, wenn sich Untertöne und Kratzsounds zu musikalischen Formen verdichten. Isabelle Duthoit leitet das Publikum – nicht nur physisch von Floor 01 zu Floor 02 – sondern auch musikalisch zu den sozusagen kammermusikalischen Interventionen im Basement über.

Jim O'Rourke: gametophyte 4 ix (Weltpremiere, gespielt von Reinhold Friedl)
Jim O`Rourke ist bekannt für seine musikalische Offenheit, von Pop-Produktionen bis hin zu seiner Zusammenarbeit mit Tony Conrad. Was wenige wissen: er ist Xenakis-Fan der ersten Stunde. In Japan hat er nun an der Universität Mathematik-Unterricht genommen, um die Xenakis’schen Kompositionsansätze besser zu verstehen und in heutiger Software umzusetzen. Dies hat er nun für die Wiener Festwochen getan und herausgekommen ist ein neues Werk, das in quadrophoner Hörsituation seine Weltpremiere erleben wird. Wir sind gespannt und freuen uns.

Junko Ueda (live)
1972 erschien in Frankreich eine Schallplatte der Biwa-Spielerin und Sängerin Kinshi Tsuruta. Xenakis liebte diese traditionelle japanische Musik, und steuerte Liner-Notes bei: Die „japanische Troubadour-Musik“ war ihm ein Erweckungserlebnis. Er verwendete die Klänge der Biwa auch in elektronischen Musik. Da es bis heute kaum bekannt ist, wie wichtig Xenakis außereuropäische Musik war, freuen wir uns besonders auf die Performance von Junko Ueda, Meisterschülerin von Kinshi Tsuruta. Wie Xenakis schrieb: „Auch wenn wir den Text nicht verstehen, können wir diese Musik stundenlang genießen“.

Kink Gong: music of ethnic minorities (DJ/live)
Das Projekt Kink Gong des französischen Weltenbummlers, Musikers und Klangsammlers Laurent Jeanneau stellt die Musik ethischer Minderheiten in den Mittelpunkt. Musik die Xenakis liebte, der von afrikanischer Perkussion (La Légende d’Eer) über japanische Klanghölzer bis hin zur laotischen Mundorgel (Bohor) vielerlei Klänge außereuropäischer Herkunft in seiner elektronischen Musik verwendete. Kink Gong kombiniert Field Recordings und schichtet sie quadrophon übereinander, zudem aber adaptiert er die Musiken an die Umgebungsklänge. Hierfür wir Laurent Jeanneau auch Aufnahmen mitbringen, die in Verwandtschaft mit Xenakis‘ ethnischen Anleihen stehen. Zwischen Schönheit, Chill-Out und ekstatischer Verdichtung.

Lee Ranaldo (live) war vermutlich der wesentliche musikalische Gestalter der irgendwo zwischen Noise-Rock und No-Wave changierenden New Yorker Kult-Band Sonic Youth: seine Herkunft aus der Band Glenn Brancas, seine Affinität zur Avantgarde sind legendär. Ranaldos Solo-Projekte feiern mit präzise-harschen Geräuschkulissen, akkumulierenden Gitarren-Noise-Konglomeraten – die durchaus mit Stimme oder versteckten Blues-Referenzen hantieren – die große Vielfältigkeit und Freiheit des Materials, wie sie Xenakis zelebrierte. Geistesverwandte.

Puce Mary (live)
Wo Xenakis noch angefeindet wurde, wenn er in Fortführung der Tradition eines Varèse oder Pierre Schaeffers Geräusch als musikfähiges Material präsentierte, ist die 1987 geborene Puce Mary längst Präzisionskünstlerin: mit klanglicher Genauigkeit und akribischer Handwerkstechnik findet sie Wege jenseits martialischer Kraftmeierei. Alles geht: Drones oder Field Recordings vermischen sich mit Stimmeinlagen und unberechenbaren Lärmeruptionen, Elektronik blinkt aus allen Ecken, ein vieldimensionales Klangerlebnis der Extraklasse. Überwältigungsästhetik im besten Xenakis`schen Sinne.

Rashad Becker: Traditional Music Of Notional Species – New Version (live)
Rashad Becker ist nicht nur einer der weltweit gefragtesten Mastering Engineers sondern spätestens seit seiner 2013 veröffentlichten LP Traditional Music of Notional Species Vol. I einer der prominentesten Elektro-Musiker. Wie Xenakis fasziniert Rashad Becker das Fremdartige, das musikalisch Undefinierte, das scheinbar Unmusikalische. Wenn Xenakis afrikanische Perkussionsklänge oder japanische Saiteninstrumente verwendet, so generiert Becker elektronisch – mit ausgefuchsten analog-digitalen Mitteln – die neue Musik einer imaginierten Spezies. Speziell für das Xenakis-Fest nun die Premiere der Weiterentwicklung des Materials zu einer raumgreifenden Achtkanalkomposition.

Marcus Schmickler: Particle/Matter-Wave/Energy (live)
Marcus Schmicklers Mehrkanalkomposition Particle/Matter-Wave/Energy führt auf beeindruckende Weise vor, wie man Xenakis Raum- und Mehrkanalideen weiterspinnen kann: Klangschwärme rasen durch den Raum, scheinen den Hörer – umrundet von Lautsprechern – geradezu körperlich anzufassen. Ein klangliches Rauscherlebnis, das nicht nur diesen Aspekt mit Xenakis großen Werken wie Persepolis oder La Légende d'Eer teilt, sondern auch in seiner Machart und ausgefuchsten Programmiertechnik zweifellos in Xenakis‘ Tradition steht. Automatisierte Überwältigungsästhetik gesteuert vom Komponisten am Mischpult: eigen und monolithisch.

Lehrgang für elektroakustische und experimentelle Musik (ELAK) der mdw (live)
Aus dem Umfeld des Lehrgangs für elektronische und experimentelle Musik (ELAK) an der mdw werden als radikale Einstimmung vier mehrkanalige Kompositionen präsentiert, die an Xenakis Ideen anknüpfen:, sei es Granulasynthese, stochastische Methoden, oder Noise.

Keynote Speeches: Markus Penell & Marcus Schmickler, Moderation Reinhold Friedl
In zwei Keynote Speeches werden Aspekte Xenakis'chen Schaffens in den Mittelpunkt gestellt und aus heutiger Sicht pragmatisch beleuchtet. Marcus Schmickler wird über die Bedeutung von Xenakis für heutige Kompositionspraktiken und nicht-akademische Elektronik auch anhand seiner eigenen Ansätze diskutieren, Markus Penell, Leiter des Wiener Büros des renommierten Architekturbüros Ortner & Ortner wird Xenakis architektonische Inventionen, die er schon seit seiner Studienzeit kennt, aus praktischer Sicht diskutieren und vorstellen. Eine Intervention mit Seltenheitswert.




Musik von Iannis Xenakis

Persepolis (Klangregie: Thomas Grill)
Entstand 1972 für das Festival in Persepolis des Schahs von Persien. Mit Hilfe hunderter Lautsprecher in den Ruinen von Persepolis, der alten Kaiserstadt, aufgeführt. Ein Lichtspektakel, Fackelzüge, Choreographien begleiteten das Spektakel, das Pulikum konnte sich frei bewegen. Überlebt hat die 8-Spur-Tonband-Komposition, bei der Xenakis sein Klangmaterial zu einer großen Klang- und Geräusch-Symphonie verdichtete: Bearbeitete Orchesterklänge verschmelzen mit afrikanischen Trommeln, tiefe, verzerrte japanische Gongs grundieren das musikalische Geschehen, japanische Klanghölzer bitzeln und erinnern an sein frühes Tonbandstück Concret PH, das ebenfalls miteingearbeitet ist. Für das Plattencover der japanischen Veröffentlichung wählte Xenakis das Bild eines Sonnenaufgangs und auf dem Cover prangt der Satz: „We Bear the Light of the Earth“ – Wir tragen das Licht der Erde. Ein würdiger Abschluss dieser Xenakis-Nacht zum Sonnenaufgang hinter den Glasfronten des Haus 21.

La Légende d’Eer (Klangregie: Wolfgang Musil)
Das Tonbandstück La Légende d’Eer entstand 1978 im Elektronischen Studio des Westdeutschen Rundfunks in Köln als musikalischer Teil des Diatope, einem von Xenakis entworfenen Hörraumes, zur Eröffnung des Centre Pompidou in Paris. La Légende d’Eer gilt als die Krönung von Xenakis Polytopen: multimedialen Aufführungen mit Mehrkanal-Tonbandzuspiel. Eine reiche Vielfalt an Klangmaterialien wird modular übereinandergeschichtet und auf acht Spuren im Raum verteilt. Das Stück beginnt (und endet) mit den legendären Oszillatorenklängen des Synthi 100, die langsam in Turbulenzen geraten (von Xenakis „Sternschnuppen“ getauft) und Platz schaffen für eine große Bogenform die neben reichhaltigstes Klangmaterial, darunter afrikanisches Daumenklavier und ein Kontrabasssolo, erstmals auch mit stochastischer Synthese entstandene Klänge umfassen. Eine große bewegte Klangreise.

Bohor (Klangregie: Katharina Klement) gilt als der größte Skandal der elektroakustischen Musik. Pierre Schaeffer, Leiter der GRM in Paris und Widmungsträger des Stückes, war entsetzt von den überbordenden Klangtexturen. Acht Lautsprecher umgeben das Publikum, metallische Sounds von persischem und irakischem Schmuck gemahnen, wie manche meinen, an das Klappern einer Ritterrüstung: den titelgebenden Bohor, einen Ritter der Tafelrunde, der wie Xenakis eine große Narbe im Gesicht trug. Der in den tiefen Bass transponierte Klang einer laotischen Mundorgel sorgt für einen durchgehenden Drone und beschlossen wird das Stück im Klangrausch von ebenfalls transponierten Donnerblechen. Xenakis spielte das Stück in größter Lautstärke ab, die Hingabe des Hörers an die Musik einfordernd.

Concret PH entstand 1958 für den von Xenakis gebauten Pavillon auf der Weltausstellung in Brüssel, der direkt neben dem Österreichpavillon von Karl Schwanzer Pavillon stand, in dem diese Veranstaltung stattfindet: das heutige Belvedere Haus 21. Das nur knapp 3-minütige Concret PH fungierte damals allerdings lediglich als Zwischenspiel, als Interlude sonore zwischen den Aufführungen von Edgar Varèses poème électronique. Das texturale Tonbandstück, das angeblich ausschließlich aus dem Klang glühender Kohlen besteht wird an dieser Geburtstagsfeier in seiner ursprünglichen Funktion als Pausenfüller mehrfach erklingen.

© David Heerde Reinhold Friedl
Reinhold
Friedl
© famille Xenakis DR Iannis Xenakis
Iannis
Xenakis
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