11. Mai —
17. Juni 2018

Während ich wartete

Omar Abusaada, Mohammad Al Attar

© Didier Nadeau
© While I was waiting
© Didier Nadeau

Im Drama von Mohammad Al Attar (Text) und Omar Abusaada (Regie) wird das Krankenzimmer, die Grauzone zwischen Leben und Tod, zum Sinnbild für das heutige Syrien.

Der junge Taim wird bei einer Kontrolle an einem Checkpoint in Damaskus zusammengeschlagen und aufgrund der schweren Verletzungen im Krankenhaus ins Koma versetzt. Was genau vorgefallen ist, ist unklar. Nach und nach treffen die Familienmitglieder und Freunde an seinem Krankenbett ein. Während die Angehörigen mit der brutalen Gegenwart und den Abgründen ihrer Familiengeschichte konfrontiert werden, beobachtet, kommentiert und dokumentiert Taim auf einer zweiten Ebene die Entwicklung von der anfänglichen Revolution gegen ein autokratisches Regime zu den kriegerischen Verwüstungen der Gegenwart.

Die verschiedenen Handlungsstränge stellen gleichsam Lebens- und Überlebensstrategien dar. Diese verbinden sich zu einem vielschichtigen Geflecht aus Hoffnung und Verzweiflung, Aufbegehren und Ohnmacht, aus kleinen und großen Fluchten, aus Liebe und Gewalt. Kurz: zu einem Bericht aus dem Inneren eines Landes, das im Koma liegt.

Abusaada und Al Attar arbeiten seit 2007 zusammen und experimentieren in ihren Aufführungen an der Schnittstelle von Fiktion und Dokumentation. Al Attar, der mittlerweile in Berlin lebt, ist zu einem Sprachrohr des vom Bürgerkrieg zerrissenen Syrien geworden. Abusaada lebt in Damaskus. Seine international erfolgreichen Inszenierungen können in Syrien nicht aufgeführt werden. Der syrische Musikproduzent Samer Saem Eldahr aka Hello Psychaleppo liefert den Sound zum Stück.