11. Mai —
17. Juni 2018

Picknicks des Verlernens

© Ines Bacher

Die Kulturgeschichte des Picknicks begleitet uns bereits seit der Antike und verbindet sowohl Hochkultur wie z. B. die traditionellen Picknicks beim berühmten Pferderennen im britischen Ascot mit gängiger migrantischer Praxis und urbanen Phänomenen. Die Akademie des Verlernens produziert deshalb wöchentliche Picknicks des Verlernens. Städtische Akteur*innen und Organisationen laden in Zusammenarbeit mit den Wiener Festwochen lokale und internationale Gäste zu zwanglosen gemeinsamen Treffen ein, bei denen neben dem leiblichen Wohl auch die intellektuelle Versorgung im Zentrum steht: für die Bildung neuer Allianzen und eine Besetzung des öffentlichen Raums – nicht als Konsumzone, sondern als Möglichkeit des Austauschs und der gegenseitigen Inspiration.

#1 Stadt als Beute

Baukräne allerorten – Wien befindet sich in einem unübersehbaren Wandel, befeuert von internationalem Investment-Kapital und der dringenden Notwendigkeit nach mehr Wohnraum für die rasant wachsende Stadt. Doch wer profitiert von der Aufwertung ganzer Viertel? Ist Gentrifizierung ein Naturphänomen? Sind die Künstler*innen an allem schuld? Wo ist der Ausgang Richtung gutes Leben in der Stadt für alle? dérive – Zeitschrift für Stadtforschung lädt mit mo.ë (Alisa Beck, Valerie Bosse, Marie-Christin Rissinger), Stephan Lanz und Niels Boeing zur lustvoll-kontroversen Picknick-Debatte über Aufwertung, Sackgassen und Möglichkeitsräume im 10. Bezirk.


21. Mai, 11 Uhr
Performeum Garten

#2 Stadt als Klasse

Wie wollen und wie können wir uns organisieren? Die Wiener aktionistischen Aktivisten vom Verein BOEM* haben dafür eine konkrete Idee und verwandeln die Picknickdecke zum Round Table, an dem zwischen Zwiebeln schneiden, Fleisch marinieren, Tofuspieße präparieren vor allem über Kommunismus nachgedacht wird. Zwischen Hundezone und der Bocciabahn im Bacherpark inszenieren BOEM* ein messerscharfes Gespräch mit der Philosphin und Autorin Jodi Dean über neue Horizonte und neue Kombinate. Essen. Kämpfen. Boccia spielen: BOEM* und migrating kitchen – business as unusual.

28. Mai, 11 Uhr
Bacherpark

#3 Stadt als Queer

Addis Abeba, Damaskus, Kampala – Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Interpersonen organisieren einen emanzipatorischen Untergrund und halten ein Picknick zum Verlernen westlicher Vorstellungen von queerem Leben im globalen Süden. Die Türkis Rosa Lila Villa und die Gruppe Queer Base – Welcome and support for LGBTIQ Refugees laden zum Austausch mit, für und über queere, marginalisierte Personen in Wien und anderen Städten dieser Welt ein. Die Villa wird zur Drehscheibe der weltweiten Liebesunordnung, ein Ort der radikalen, liebevollen Geschichtsumschreibung.

4. Juni, 11 Uhr
Türkis Rosa Lila Villa (Hof)

#4 Simmeringer Frühschoppen

Die Burschenschaft Hysteria, älteste Burschenschaft Österreichs, lädt alle außer Männer zum gemeinsamen Anstoßen und Politisieren beim Simmeringer Frühschoppen – matriarchale Trinkkultur und angeregter Diskurs bei Würstel und Bier! Für musikalische Unterhaltung durch die Musikarbeiterinnenkapelle und betreuten Männerbereich (mit Männerschminken und lustigen Spielen) ist gesorgt!

In Kooperation mit WIR SIND WIEN.FESTIVAL und Basis.Kultur.Wien
11. Juni, 11 Uhr
Enkplatz

#5 Stadt als Solidarität

Die asylkoordination Österreich lädt in jeder Form hungrige Picknicker*innen zum großen Palaver, um sich gemeinsam mit den Migrantpolitans Anas Aboura und Ewelina Benbenek, der Wiener Menschenrechtsbeauftragten Shama Asadi und der Schriftstellerin Latifa Nabizada die Köpfe und Bäuche vollzuschlagen.

15. Juni, 11 Uhr
Hawi Wohnprojekt: Kempelengasse Ecke Quellenstrasse, Eingang C