12. Mai —
18. Juni 2017

Hamamness

Prof*X Nuray Demir

Die Wiener Festwochen Bubble

© Anja Beutler
© Anja Beutler
Hamamness ist ein 140 Quadratmeter großer, aus drei Kuppeln bestehender Raum, in dem die jahrhundertealte Hamam-Kultur auf postkolonialen Diskurs trifft. Die Installation ist Pre-Enactment und progressive Simulation zugleich. In der aufblasbaren Raumarchitektur gelangen Sie vom Ruheraum in die Waschzonen, bei 45 °C und hoher Luftfeuchtigkeit öffnen sich die Hautporen und die Sinne werden angeregt. Physiotherapeuten, Tellaks und Natirs (Hamam-Badepersonal) verwöhnen Sie, während die Künstler*innen die eine oder andere festgefahrene Gewissheit performativ auf den Kopf stellen und die Diskursgäste in diesem neuartigen kulturellen Klima ihr Wissen ausdünsten. Die Dualismen von Körper/Geist, Mann/Frau, mit/ohne Migrationshintergrund werden aufgeweicht und abgeschrubbt. Hamamness vermittelt neue Körperverständigungen durch die Erzeugung kollektiver Intimitäten. Öffnen Sie Ihre Poren, Herzen und Gehirne. Lassen Sie sich ruhig mal den Kopf und die Füße waschen. Schreiben Sie sich ein und tauchen Sie ab in die Heterotopie postidentitärer Wirklichkeiten.

Aufgebaut in vier verschiedene Themenblöcke lädt Hamamness zum mehrfachen Besuch ein. Daher empfehlen wir den Kauf eines 4er Blocks!


Don’t B/Other Me

„Othering“ als eine Praxis der Exklusion kommt hier nicht nur auf den Prüfstand, sondern auch aus der Übung. Verlangsamt und entspannt lehnen wir uns zurück und sehen zu, wie unsere selektive Realität verdampft. Die Zeit des Otherings ist vorbei. Die Berliner Aktivist*in und berühmte Zukunftsdeuter*in Sabuha Salaam bringt den Kaffeesatz nach Wien und die Zukunft wird queer-gelesen. Post the future! Die Theoretikerin Dina El-Najjar entlarvt Orientalismen und eröffnet Dekonstruktionsstrategien. Die Missy Redakteurin Hengameh Yaghoobifarah spricht über Fat-Activism/Acceptence, Self-Love und Raumeinnahme. Dadurch werden Körperpolitiken einer progressiven Umdeutung unterzogen. Body-positivity rules. Chill the pain away!

Termine: 18./19./20./21. Mai
Sprache: Deutsch


Queering Knowledges


Als feststehender Begriff der Geschichts-, Literaturwissenschaften und Gender Studies steht die Methode des „Queerings“ für eine Verschiebung, für die Transformation von Normativitäten.
Der Fokus liegt dabei nicht mehr nur auf Sexualität und Geschlecht, alle dominierenden und hegemonialen Lesarten kommen auf den Prüfstand. Leyla Jagiella berichtet aus ihrer akademisch-aktivistischen Arbeit wie sich aus muslimischen Traditionen ein queer- und trans*-positives Potential schöpfen lässt, das Räume für Handlungsmacht und Widerstand gegen die wirkmächtigen Diskurse unserer Zeit schafft. In der Performance Tulip Talk wird NIC KAY über radical self-care, über die Geschichte Schwarzer diasporischer Performancekunst sprechen und darüber, wie die Tulpen nach Europa kamen. Ahmet Sitki Demir verhandelt in der Performance Pray me Awayer den Dualismus zwischen Glauben und Wissen und entwirft futuristische Glaubensriten.

Termine: 25./26./27./28. Mai
Sprache: Deutsch, Englisch


Gender Jihad


Mit dem Begriff Gender Jihad rufen Muslimische Feminist*innen zu einem Jihad (Anstrengung, Kampf) für ein anti-patriarchales und geschlechtergerechtes Verständnis von Islam auf und darüber hinaus.
Die vielen Fatma Morganas über Frauen als dominierungsaffine Subjekte lichten sich durch eine emanzipatorische heterogene Frauenbewegung. Gender Jihad ist postkolonialer Feminismus. Frauen zeigen selbst- und nicht fremdbestimmt wie feministische Solidarität funktionieren kann. Amani Abuzahra wirft einen Blick auf die Geschichte von Frauen im Islam um neue Denkwege zu eröffnen. Was Gender Jihad im Körper einer Schwarzen Muslimischen Frau bedeutet, wird Ismahan Wayan mit Hilfe von Schwarzen und Muslimischen Denker*innen reflektieren und diskutieren. Performativ erforscht Sara Mikolai queer-feministische Beziehungen. Aus Ungewissheiten wird Kollektivität. Die Transformationskünstlerin Eisa Jocson untersucht Gender und Exotismen.
Hamamness
ruft zu einem Jihad der Solidarität auf!

Termine: 1./2./3./4. Juni
Sprache: Deutsch

Bitte beachten Sie: Die Veranstaltung Gender Jihad ist nur für Frauen & Femmes.


Kollektive Melancholie


Das Gefühl „hüzün“ setzt sich der Positivierung aller Lebensbereiche entgegen. „hüzün“ bezeichnet nicht die Melancholie eines Individuums, sondern die kollektive Melancholie.  Gürsoy Doğtaş wird über vier Abende die Entstehungszusammenhänge des längsten Arabesk-Stücks der türkischen Musikgeschichte des berühmten Sängers, Malers und Poeten Zeki Müren aufarbeiten. Dieses Stück verarbeitet seinen Trennungsschmerz von dem politischen Schriftsteller James Baldwin. Von hier ergeben sich viele Lesemöglichkeiten der Traurigkeit, der Schwermut und Arabesk-Musik.
Die ägyptische Musikerin Umm Kulthum faszinierte Millionen von Menschen, auch Zeki Müren.
AmIrani
wird mit einem Diva-Enactment ihrer gedenken. Sakîna macht mit eindringlichen Melodien Leid und Melancholie, ebenso wie Lebensmut und Sehnsüchte greifbar. Denn nicht die Anwesenheit von hüzün ist schmerzlich, sondern die Abwesenheit. Von Hiba Shammout wird die kollektive Melancholie in Tanz übersetzt – hier wird die Arabesk-Queerness als ein Writing-, Singing-, Dancing-, und Crying-Back aufgerollt. Tears dry on their own!

Termine: 8./9./10./11. Juni
Sprache: Deutsch


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