12. Mai —
18. Juni 2017

Gegen den Hass

Carolin Emcke

© Andreas Labes

Carolin Emcke äußert sich in ihrem 2016 veröffentlichten Essay Gegen den Hass zu den großen Themen unserer Zeit: Rassismus, Fanatismus, Demokratiefeindlichkeit.

In einer zunehmend polarisierten Öffentlichkeit dominiert vor allem jenes Denken, das Zweifel nur an den Positionen der anderen, aber nicht an den eigenen zulässt. Denn Hass ist bei all seiner aggressiven und verachtenden Vehemenz unpräzise, ungenau und pauschalisierend. Andere Menschen werden nicht als Individuen, sie werden als Mitglieder eines abzulehnenden Kollektivs wahrgenommen: die Ausländer*innen, die Flüchtlinge, die Muslim*innen, die Juden*Jüdinnen, die Ungläubigen, die Homosexuellen, die Medien oder die Politiker*innen. Diesem dogmatischen Denken des Hasses, das keine Schattierungen berücksichtigt, setzt Carolin Emcke ein Lob des Vielstimmigen, des „Unreinen“ entgegen – weil so die Freiheit des Individuellen und auch Abweichenden zu schützen ist. Denn die Freiheit der anderen garantiert die eigene Freiheit. Gegen den Hass hilft laut Emcke letztlich nur das, was den Hassenden fehle: genaues Beobachten, nicht nachlassendes Differenzieren, Selbstzweifel und die Lust, Pluralität auszuhalten.

Ein Vortrag für alle, die überzeugende Argumente und Denkanstöße suchen, um eine offene Gesellschaft zu verteidigen.

Carolin Emcke, geboren 1967, studierte Philosophie in London, Frankfurt/ Main und Harvard. Von 1998 bis 2013 bereiste sie weltweit Krisenregionen und berichtete darüber. Sie ist freie Publizistin und engagiert sich immer wieder mit künstlerischen Projekten und Interventionen. Für ihr Schaffen wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Theodor-Wolff-Preis und dem Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus. Für Gegen den Hass wurde sie 2016 mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet.