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Les Naufragés du Fol Espoir [Aurores] / Schiffbruch der verrückten Hoffnung [Morgenröte]



Die Sonnentheaterkönigin

Ein Besuch bei Ariane Mnouchkine und ihrem Théâtre du Soleil: Das neue Stück der gefeierten Regisseurin handelt von einem Schiffbruch und vom Ende jeder Utopie.

[...] Das Großartige, das Einzigartige an dieser Regisseurin ist ihre Herrschaft über die Bilder. Ariane Mnouchkine ist in der Tat die Sonnenkönigin der mise en scène. Jede noch so schlichte Szene wird opulent durch den Detailreichtum, durch die unbedingte Aufmerksamkeit, die Mnouchkine jeder vermeintlichen Kleinigkeit zuteil werden lässt. Bei „Les Naufragés“ gibt es, anders als bei früheren Werken, keine schlichten Szenen. Die gespielte Gegenwart, die Dekadenz um die Jahrhundertwende vermischt sich mit der Dekadenz und den Möglichkeiten des Films. [...]
Es vermischt sich nicht nur Theater mit Film, es verschwimmen auch die Grenzen zwischen Tanz, Schauspiel und Pantomime. [...]

Süddeutsche Zeitung, 24.2.2010


Gefahren! Liebe! Hoffnung!
[...] Der Abend ist wie alle guten Mnouchkine-Abende – und zu diesen zählt er – nicht nur klug gedacht, sondern auch überaus theatersinnlich gemacht. Der Zauber der politischen Illusionen überträgt sich eins zu eins auf die Herstellung der Bühnenrealitäten. [...]

Es gibt wunderbare Liebesszenen, die sich ebenso wunderbar verselbständigen und aus dem Ruder laufen, es gibt die Theaterillusionen, die echter sind als jeder Realismus: nach dem Mnouchkine'schen Prinzip des Pars pro toto: Man hat vor sich ein Leintuch und einen knienden Mann mit einem Ruder in der Hand – und sieht synekdotisch das aufgewühlte stürmische Meer, die finstere Nacht, den tapferen Indio in seiner Schaluppe. Es gibt die Illusionsbrüche mit doppeltem Boden; und es gibt eine sehr schöne, sehr selbstironische Szene, in der die Regisseurin wie eine Exorzistin über die Bühne rast, mit einer Räucherkerze in der Hand, sie will die Kriegsgeister vertreiben, imperialistische Ressentiments, die sich in der Truppe einnisten. Sie fletscht die Zähne, faucht bedrohlich, räuchert die ganze Bühne aus – und schreckt statt der bösen Geister in allen heimlichen Ecken doch nur Liebespaare auf. [...]

Nachtkritik, 13.2.2010


Bei Ariane Mnouchkine macht sogar ein Schiffbruch Hoffnung
Das Schöne am Theater von Ariane Mnouchkine ist, dass alles so spielend leicht aussieht. Dass alles so leicht erklärbar scheint. Und das das Publikum nach vier Stunden so richtig erholt wirkt. Denn Arianne Mnouchkine, die 70 Jahre alte ewig junge Grande Dame des französischen Theaters, macht Kindertheater für Erwachsene. [...]

Die poetische Einfachheit der Mittel appelliert an die Vorstellungskraft der Zuschauer und ist eine Aufforderung, die Fantasie auch auf die Wirklichkeit anzuwenden. Das Theater von Ariane Mnouchkine, ein Ort der verücktesten Hoffnungen, ist der beste Übungsplatz dafür.

Welt Online, 22.2.2010

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