Oper in drei Akten / Lyon, Wien, Mailand
Von Alban Berg
Bearbeitung von Friedrich Cerha
Libretto von Alban Berg nach Erdgeist und Die Büchse der Pandora von Frank Wedekind
Fasziniert von der erotischen und sinnlichen Atmosphäre in Frank Wedekinds Doppeltragödie Erdgeist/Die Büchse der Pandora, schrieb Alban Berg seine Oper Lulu, die erste Oper der Musikgeschichte in Zwölftontechnik. „Schönes, wildes Tier“ Lulu ist die Geschichte einer Femme fatale, die jeden, der ihr verfällt, sowie schließlich sich selbst ins Unglück treibt. Nach der Premiere in Lyon wurde Peter Steins Inszenierung wegen der genauen Personenzeichnung und detailreichen Darstellung des historischen Hintergrundes als kongeniale Umsetzung des Werkes gefeiert; Laura Aikin als „die ideale Lulu unserer Tage“. Bei den Wiener Festwochen wird Daniele Gatti das Mahler Chamber Orchestra dirigieren. Mehr
In seiner Oper Lulu greift Alban Berg auf Frank Wedekinds Doppeltragödie Erdgeist/Die Büchse der Pandora zurück – eingenommen von der sinnlich-erotischen Atmosphäre in diesen Stücken. Mehr noch als bei Wozzeck ist Lulu eine Interpretation ihrer literarischen Vorlage. Mit dem „schönen wilden Tier“ Lulu, die jeden, der ihr verfällt, sowie schließlich auch sich selbst ins Unglück treibt und zur „Allzerstörerin wurde, weil sie von allen zerstört ward“ (Karl Kraus), knüpft Berg direkt an die komponierten Frauenbilder von Isolde bis Salome an und damit an die Männerphantasien des Fin de Siècle. Durch die Verwendung der Zwölftontechnik hat Alban Berg mit Lulu, an der er von 1928 bis zu seinem Tod 1935 gearbeitet hat, die erste dodekaphonische Oper der Musikgeschichte geschaffen. Teilweise nicht zu Ende instrumentalisiert, wurde sie von Friedrich Cerha erst 1979 beendet.
Nach der Premiere in Lyon wurde Peter Steins Inszenierung als kongeniale Umsetzung dieses Werkes gefeiert. „Steins Lulu-Darstellung besticht durch die Genauigkeit der Personenzeichnungen. Seine Inszenierung akzentuiert den historischen Hintergrund des Stoffes und gewinnt dadurch eine hohe psychologische Plausibilität und Authentizität: Lulu als Panorama einer bestimmten Zeit. Alle Figuren wirken wie aus einem Bilderreigen in lebendige Theaterwirklichkeit überführt.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung
Ebenso bejubelt wurde die musikalische Interpretation, allen voran Laura Aikin als „die ideale Lulu unserer Tage“. Die Presse
WenigerMusikalische Leitung / Daniele Gatti
Inszenierung / Peter Stein
WIEDERAUFNAHME / Jean-Romain Vesperini
Bühne / Ferdinand Wögerbauer
Kostüme / Moidele Bickel
Licht / Duane Schuler
Mit Laura Aikin, Claudia Nicole Bandera, Pervin Chakar, Magdalena Anna Hofmann, Valdis Jansons, Bertram Klamp, Franz Mazura, Natascha Petrinsky, Thomas Piffka, Johann-Werner Prein, Rudolf Rosen, Roman Sadnik, Romina Tomasoni, Stephen West, Robert Wörle
Bühnenorchester der Wiener Staatsoper
Orchester / Mahler Chamber Orchestra
Stein ist für die Vierstundenversion Cerhas ein spannender Wurf gelungen: Höchst realistisch deftig, plakathaft bis grell in den Farben der Bühnenbilder Ferdinand Wögerbauers, deren Umbauten allerdings enorm zeitaufwändig sind, und der schönen Kostüme Moidele Bickels, reich an karikaturistischen Slapstick-Momenten - wie bei den fetten Groteskfiguren im Grand-Guignol-Theater. [...]
„Kopf“ der Produktion ist der Dirigent Daniele Gatti, der „Lulu“ mit imponierender Sicherheit und Kraft im Griff hat. Ein Analytiker mit brennender Leidenschaft, der die menschlichen Töne der Musik Bergs im Mahler Chamber Orchestra immer wieder theatralisch aufglühen lässt. [...]
Im Mittelpunkt steht die souveräne Laura Aikin: Lulu, ein schillernd „schönes Tier“ mit höchster Stimmsicherheit. Genau charakterisiert Aikin die leichtfertige, hemmungslose Kindfrau, Betrügerin und Mörderin, die „der Welt nie etwas anderes scheinen wollte, als wofür man mich genommen hat“.
Kronen Zeitung, 13. Juni 2010
"Lulu": Ein Festtag für Alban Berg
Die Wiener Festwochen feiern mit einer Oper von Berg einen großen Erfolg. Dessen "Lulu" wurde im Theater an der Wien bejubelt.
[...] Daniele Gatti und das Mahler Chamber Orchestra präsentierten Zwölftonmusik in Vollendung, mit großer Dramatik, erzählerischer Kraft, prachtvollen Zwischenspielen und klanglicher Schönheit. Ja, Sie lesen richtig: Dieser Berg klingt schön und verschreckt nicht einmal Operntraditionalisten. Ein Freude, das Werk - vom im Publikum anwesenden Friedrich Cerha vollständig hergestellt - in dieser Qualität zu hören.
Auch die Regie (in Wien von Jean-Romain Vesperini einstudiert) überzeugt. Steins Zugang ist sehr filmisch, er erzählt die Geschichte der Aufsteigerin Lulu, die zum Abstieg verurteilt ist, am Ende von Jack the Ripper ermordet wird und dazwischen selbst ungewollt eine Blutspur hinterlässt, linear und klassisch. Die Tableaus sind elegant, Bühnenbild und Kostüme von hohem ästhetischem Anspruch, auch der zirkushafte Teil kommt zu seinem Recht. Stein zeigt sich wieder als alter Theaterfuchs. [...]
Kurier, 13. Juni 2010
"Lulu": Das Fortissimo der Wollust
Die Wiener Festwochen bringen Alban Bergs "Lulu" unter Daniele Gatti, inszeniert von Peter Stein, ins Theater an der Wien. Gewaltig!
[...] Solch freizügige Selbstentfaltung kann in dieser Welt der Scheinmoral nicht gut gehen, fand Alban Berg, und kanalisierte in seine psychologisch raffinierte Wedekind-Vertonung damit wohl auch die eigenen erotomanischen Tendenzen. Erst in der kompletten Version mit dem von Friedrich Cerha hergestellten dritten Akt freilich fügt sich alles zusammen, hat jedes Detail seinen exakten Platz.
Wie sehr in dieser Partitur kühle, penible Planung und impulsiv-emotionale Ausführung einander durchdringen, ist nun bei den Wiener Festwochen vor allem szenisch nachvollziehbar: In Lyon hat Peter Stein 2009 eine Art Modellinszenierung geschaffen, die den Pointenreichtum des Textes ebenso hervorkehrt wie interne Parallelen, szenische Leitmotive – und dabei virtuos auch winzige, von Berg aber genau notierte Details bis hin zu Fingerbewegungen integriert. [...]
Die Presse, 12. Juni 2010
Vom Spielzeug zur Spielführerin
Statt Lulu als männermordendes Flittchen zu zeigen, zeichnet die Aufführung in Lyon ein komplexes Psychogramm der Titelfigur, das auch die Gesellschaft entlarvt. Frei von verschwitzter Altherrenerotik holt Regisseur Peter Stein die Geschichte ins Hier und Jetzt, ohne die Figuren durch allzu konkrete Vergegenwärtigung kleinzumachen. [...]
Peter Steins Inszenierung besticht durch ungemein präzise Personenführung und bietet eine sehr schlüssige Sicht Lulus. Statt Lulu als eindimensionales, männermordendes Flittchen zu zeigen, zeichnet Stein ein komplexes Psychogramm sowohl der Titelfigur, wie einer ganzen Gesellschaft. Dabei entstehen die tragischen, entlarvenden Momente oft unmittelbar aus komischen Situationen heraus. Man gewinnt fast den Eindruck, der ersten Oper von Yasmina Reza beizuwohnen, so locker und leicht wird da ein musiktheatrales Konversationsstück erzählt. Unter der vermeintlichen Oberfläche indes brodeln Abgründe, Verletzungen, Gefährdungen.
Frei von verschwitzter Altherrenerotik zieht Stein die etwas altbackene Geschichte ins Hier und Jetzt, ohne die Figuren durch allzu konkrete Vergegenwärtigung kleinzumachen. [...]
Deutschlandradio, 20. April 2009
Eine Theatergeschichte, meisterlich erzählt
[...] Ein dezenter Schuss Überzeichnung sorgt für Würze – und das durchaus zu Recht, das Stück ist ja, wie der Prolog zu erkennen gibt, als Revue im Zirkus angelegt. Der Medizinalrat, der zu Beginn in einem der kürzesten Auftritte der Operngeschichte einem polternden Herzschlag erliegt, ist ein Schrank von Mann, und später gibt derselbe Darsteller, nämlich Robert Wörle, den grotesk aufgeplusterten Mädchenhändler, der mit seinem kahlen weissen Schädel und dem verzerrten roten Mund geradewegs dem Gruselkabinett von George Grosz entstammen könnte. Auch der alte Schigolch mit seinem Schlapphut und dem pfeifenden Atem trägt Züge der Karikatur, aber Franz Mazura, der schon 1979 bei der von Pierre Boulez geleiteten Pariser Uraufführung der vervollständigten «Lulu» mit von der Partie war, ist noch erstaunlich bei Stimme.
Gehören solche Figuren zu der freilich mit aller Liebe ausgestalteten Staffage, so leben die zentralen Gestalten von der handwerklichen Meisterschaft des Regisseurs. Ganz unaufgeregt erzählt Peter Stein die fatale, immer wieder letale Geschichte, die Frank Wedekind erfunden und Alban Berg kongenial verdichtet hat. Laura Aikin ist eine unglaublich verführerische Lulu, weitaus gefährlicher als in der Zürcher Produktion von Jens-Daniel Herzog, und sie singt mit kernigen wie mit samtenen Farben. [...]
Ein grosser Abend; [...]
Neue Zürcher Zeitung, 22. April 2009
Festwochen jugendFREI
Spielort
Theater an der WienSpieltage
11.06.10 19:00Preise
EUR 22,- / 37,- / 51,- / 62,- / 74,- / 88,- / 91,- / 108,- / 128,- / 140,- / 152,-Sprache
In deutscher Sprache mit deutschen ÜbertitelnDauer
4 Std., 2 PausenEINFÜHRUNG
Eintritt frei, 11., 14., 18. Juni, 18 Uhr, Theater an der Wien, Großer PausenraumRaiffeisen Opern-Tage
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