Literature and music / Vienna, New York, Bamako / WORLD PREMIERE
In response to Sellars’ 2009 Othello, Nobel Prize-winning novelist Toni Morrison and singer/ songwriter Rokia Traoré collaborate to create an intimate and profound conversation between Shakespeare’s Desdemona and her African nurse from beyond the grave. After centuries of colonialism and racism, two women share stories, songs and hope for a different future.
"My name is Desdemona. The word, Desdemona, means misery. It means ill fated. It means doomed. Perhaps my parents believed or imagined or knew my fortune at the moment of my birth. Perhaps being born a girl gave them all they needed to know of what my life would be like. That it would be subject to the whims of my elders and the control of men. Certainly that was the standard, no, the obligation of females in Venice in the fifteenth century. Men made the rules; women followed them. A step away was doom, indeed, and misery without relief. My parents, keenly aware and approving of that system, could anticipate the future of a girl child accurately.
They were wrong. They knew the system, but they did not know me.
I am not the meaning of a name I did not choose."
Toni Morrison
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“I saw Othello’s visage in his mind”, says Desdemona in Shakespeare’s drama. Four centuries later, still aware of this insight, she speaks from the grave in a new language, with Toni Morrison’s voice. She tells stories from the past, present and future, reunited with her nurse Barbary, an African slave who raised her and taught her to sing. Barbary’s songs are songs of liberation. They are interpreted by Rokia Traoré, a voice of the new Africa. A dialogue between two women across continents, biographies and love stories, opening the door into a different 21st century. Othello wooed Desdemona with stories of his adventures. Raised by an African, Desdemona instantly felt familiar and confident with Othello. The night of her own death, she sings the song Barbary sang at the moment of hers. Toni Morrison’s Desdemona begins here, with the songs and stories of two women who finally can speak of hopes, once smothered by centuries of racism and colonialism, for a different world. The men who formerly enforced their silence have destroyed themselves. Rokia Traoré composes her songs for two musicians, who will perform on African instruments, and for a chorus of three women from Mali. Desdemona will be premiered at Wiener Festwochen as a reply to Othello (2009).
LessTEXT / Toni Morrison
MUSIC / Rokia Traoré
DIRECTOR / Peter Sellars
Light design / James F. Ingalls
SOUND DESIGN / Alexis Giraud
PRODUCER / Diane J. Malecki
PRODUCTION STAGE MANAGER / Anne Dechêne
ASSISTANT STAGE MANAGER / Janet Y. Takami
with / Elizabeth Marvel, Rokia Traoré, Mamah Diabate, Mamadyba Camara, Bintou Soumbounou, Fatim Kouyaté, Naba Aminata Traoré
„Desdemona“ zwischen Shakespeares Zeilen
Toni Morrison, Rokia Traore und Peter Sellars brachten die feministische, postkoloniale Fortsetzung des „Othello“ mit viel Musik auf die Bühne
[...] Elizabeth Marvel ist Desdemona, aber bisweilen ist sie (mit eindrucksvoll verstellter Stimme) auch Othello oder Emilia. Sie berichtet von ihrem Großwerden im engen venezianischen Adelshaus, von Othello, dem einstigen Kindersoldaten, hinter dessen offene Brutalität sie zu blicken vermeinte, rechtfertigt wieder und wieder ihre Liebe, die sie in den Tod gestürzt hat. Sie spricht auch mit Barbary - verkörpert von Rokia Traore, die zu Morrisons Text die Musik beigesteuert hat. Glasbehälter und Glühbirnen schmücken die schlichte Bühne als edles Konzertsetting für die eleganten Backgroundsängerinnen und die mit iPad von Mikro zu Mikro wechselnde Desdemona.
Morrisons Text ist bissig und anklagend, vor allem aber voller Ironie. Desdemona, die unterdrückte Frau? Die große Liebende? Die rassistisch Verblendete? Sicher kann man nicht sein. Klar ist, die Geschichte der Sklaverei, des Krieges und der weiblichen Unterdrückung steckt irgendwo zwischen Shakespeares Zeilen. Sie zu erzählen, ist ein Unterfangen mit hohem Moralin-Risiko, dem Morrison nicht über die vollen zwei Stunden entgeht.
Aber da hilft die Musik. Abgesehen davon, dass es wohltuend ist, eine Sängerin wie Rokia Traore und ihr fantastisches Ensemble nicht unter dem Weltmusik-Label zu erleben, sondern als theatrale Figuren, sind es ihre sanften, zyklischen Melodien und eindringlichen Stimmen, die einem Stück, das sich sonst wohl als ziemliche Kopfgeburt den Ungehörten im großen Kanon der Weltliteratur gewidmet hätte, dringend benötigte Sinnlichkeit verleiht. Insgesamt: Ein schöner Weg, mit Shakespeare ins Gericht zu gehen.
APA, 16. Mai 2011
Im Himmel mit Desdemona
[...] Elizabeth Marvel, ein Star der New Yorker Theaterszene, schlüpft in die Rolle Desdemonas, mit verstellter Stimme ist sie auch Othello und die anderen Figuren aus der Tragödie. Weiß gewandet und wandelt sie über die Bühne, die durch Glühbirnen und Glasgefäße einer Vision des Himmels gleicht. Mit mit ihrer beeindruckenden Stimme und der enormen Ausdruckskraft zieht sie das Publikum in den Bann. [...]
ORF.at, 16. Mai 2011
Black Women Power
Bei den Wiener Festspielen bringt Peter Sellars ein Stück von Toni Morrison auf die Bühne: In "The Desdemona Project" kann vor allem die Schauspielerin Elizabeth Marvel glänzen - nicht zuletzt wegen ihrer stimmlichen Fähigkeiten.
[...] Während Desdemona über ihr Leben nachdenkt, bringt sie auch alle anderen Figuren zum Sprechen. Wunderbar, wie die Schauspielerin Elizabeth Marvel Stimme und Duktus ändert, wenn sie ohne veräußerlichende Effekte auch Othello in wörtlicher Rede erfindet und spricht. Toni Morrison hat ihr einen poetischen, zuweilen etwas zu bedeutungsvoll getragenen Text geschrieben, den die Schauspielerin mit mimisch-gestischer Zurückhaltung ganz aus der Sprache heraus lebendig werden lässt.
[...] Barfuß, in bodenlangen, schulterfreien Kleidern, in wechselnden Farben wunderbar ausgeleuchtet, so stehen Sängerin und Chor auf der Bühne. Und die Sprecherin der Desdemona wandert von Mikrofon zu Mikrofon, mehr äußere Aktion gibt es nicht. Dieser überzeugende Abend ist eine einzige edle Kunstanstrengung. Peter Sellars musikalisches Schauspiel oder, wie er es nennt, Hörspiel der Träume, kennt in seinem melancholisch getragenem Rhythmus, obwohl er von Mord und Vergewaltigung berichtet, keine Härte oder Extreme, keine Grobheiten und kein ausgestelltes Leiden, sondern nur den poetisch hohen Ton von Toni Morrison und die zart-kräftige Sinnlichkeit von Rokia Traorés Gesang:
Toni Morrisons prägnant kluge Erinnerungs- und Denkmonologe, gesprochen von einer zugleich zurückhaltenden wie kraftvollen Schauspielerin, konfrontiert mit und kommentiert von Liedern einer wunderbaren Sängerin: Das ergibt trotz einiger Längen am Schluss des fast zweistündigen Abends einen zu Recht umjubelten Erfolg.
Deutschlandradio, 16. Mai 2011
Location
Theater AkzentDates
15.05.11 19:30Prices
EUR 8,- / 15,- / 26,- / 33,- / 45,-Language
In English, overtitled in GermanDuration
approx. 1 hr 45 mins, no intervalDISCUSSION WITH THE AUDIENCE
17 May, following the performance, Theater Akzent