Wrights & Sites
11. bis 30. Juni 2007
Karten und Information:
Tanzquartier Wien, Mo-Sa 10-19 Uhr, So 10-18 Uhr, Tel. +43-1-581 35 91, www.tqw.at
Lassen Sie sich verführen!
Wien lädt besonders in der warmen Jahreszeit wieder zum Spazieren und Flanieren ein. Doch den urbanen Schlenderer zeichnet nicht nur das Genießen aus, sondern auch die Neugierde, das erneute Entdecken von scheinbar Bekanntem und Alltäglichem. Das britische KünstlerInnenkollektiv Wrights & Sites hat dieses bewusste Stadtwandern als humorvoll-subversive Antwort auf Tourismus und Kulturindustrie zur Kunst erhoben und daraus das Konzept Mis-Guide, frei übersetzt mit Stadtverführungen, entwickelt und bereits in mehreren europäischen Städten mit großer Resonanz durchgeführt.
Eine ExpertInnenjury aus Soziologie und Urbanistik (Anette Baldauf), Kulturphilosophie und -anthropologie (Herbert Lachmayer), Komposition und Musik (Bernhard Lang) und Architektur (Bärbel Müller) wählte aus 140 von WienerInnen und WienkennerInnen eingereichten Mis-Guide-Ideen sechzehn Projekte aus, die von Wrights & Sites bis zu ihrer dreiwöchigen Umsetzung begleitet wurden und nun im gesamten Stadtraum stattfinden.
Wir wünschen Ihnen viele überraschende und spannende Entdeckungsreisen an bekannte und unbekannte Orte in Wien.
Wrights & Sites (Stephen Hodge, Phil Smith, Simon Persighetti und Cathy Turner) aus Exeter/England, arbeiteten ursprünglich an Site-spezifischen Performances, bis sie ihr gemeinsames Faible für Kartografie, Geografie, Stadtentwicklung und Landschaftsplanung entdeckten. Ihre Anleitungen zu ungewöhnlichen Stadttouren sind in den Mis-Guide-Reiseführern A Mis-Guide to Exeter (2003), A Courtauld Mis-Guide (2003) und A Mis-Guide to Anywhere (2006) nachzulesen.
Eröffnung
Mo 11. Juni 19.30 h, Tanzquartier Wien / Studios
Pay as you wish
Vorschau auf alle Mis-Guide-Touren durch Wrights & Sites und Vortrag des Philosophen und Vorstandes des Da Ponte Instituts Herbert Lachmayer, zum Thema Walking and Talking into Existence.
Auf unterhaltsame Art und Weise stellen Wrights & Sites ihr Mis-Guide-Konzept sowie alle Wien-Touren vor. Herbert Lachmayer spricht über Urban Staging, die Stadtinszenierung als Bühne, von unserer von Geheimnislosigkeit bedrohten Aufmerksamkeit und darüber, wie wir wieder in der Gegenwart ankommen können und dafür mit der Plötzlichkeit von Genuss und Glück belohnt werden.
1. 5minute revolutions
2. Auswege aus Wien
3. detourism. A-1210 Leopoldau
4. Die Stadt gehört Dir!
5. Die Zone
6. First Listen Up – Decolonising Vienna Tour
7. Follow me, Hold this
8. Guided by Accident
9. Hüttenzauber
10. Lean Against the City
11. Lehmanns Adressen
12. Letzte Orte
13. mood.routes
14. Real Crime Walk
15. Soundwalk
16. Suburb Safari
1. 5minute revolutions (Zurück zur Übersicht)
Nathalie Koger (D/A) und Miriam Raggam (A)
Mo 11. – Sa 30. Juni
täglich 14.00 – 22.00 h, So bis 21.00 h
Ort: innere Bezirke
Ausgangspunkt: Tanzquartier Wien / Studios
Dauer: individuell
Beim Kauf des Tickets im Tanzquartier Wien erhalten Sie ein Revolutions-Kit und die dazugehörigen Handlungsanweisungen.
Ist der öffentliche Raum eigentlich noch für alle da? Auch in Wien sieht man, dass er immer mehr reguliert wird zugunsten eines kaufkräftigen, bürgerlichen Publikums. Störfaktoren wie StraßenkünstlerInnen und Obdachlosen wird der Aufenthalt so unangenehm wie möglich gemacht. Das 5minute revolutions-Kit ist ein Koffer mit Objekten und aufmüpfigen Handlungsvorschlägen. Er eröffnet die Möglichkeit, unsichtbare Kontroll- und Ausgrenzungsmechanismen erfahrbar und sichtbar zu machen. Aufkleber, Tonaufnahmen von StraßenmusikerInnen, Schlafmasken und einiges mehr versprechen mehrmals 5 Minuten revolutionär-legales Spiel in der Wiener Innenstadt.
Nathalie Koger wurde 1978 in Nußbach (D) in eine Handwerkerfamilie hineingeboren, Miriam Raggam folgte 1983 in ein verstricktes Familienverhältnis in Graz. Nach Auswegen aus ländlicher Idylle und Umwegen über England sowie Studien der Soziologie, Pädagogik, bildenden Kunst und Architektur entschieden sich beide zunehmend für die freie Kunst und trafen sich in Wien.
2. Auswege aus Wien (Zurück zur Übersicht)
Karin Eva Swoboda (D/A)
So 17. Juni und So 24. Juni jeweils 12.00 h
Treffpunkt: Tanzquartier Wien / Studios
Ende: ca. 19.00 h (Pausen inkludiert)
Mindestalter: 10 Jahre
Wanderbekleidung und Mitnahme von Reiseproviant empfohlen.
Haben Sie die Nase voll von Wien? Müssen Sie eine heikle Fracht außer Landes bringen? Sitzt Ihnen ein Verfolger im Nacken, oder haben Sie einfach nur gute Gründe, um für einige Zeit von der Bildfläche zu verschwinden? Diese Wien-Tour eröffnet Fluchtwege für all jene, die der Stadt entkommen wollen: abtauchen in unterirdische Geheimgänge, sich über Feuerleitern, Mauern und Landesgrenzen, durch Urwalddickicht oder durch die Donau absetzen, bis hin zum idealen Hubschrauberlandeplatz und fahrbereiten Fluchtfahrzeug. Hier kann jeder und jede Wien hinter sich lassen – allfälligen Verfolgern stets um eine Nasenlänge voraus. Entdecken Sie die aufregendsten Fluchtrouten in Wien und am Stadtrand, Dritte-Mann- und James-Bond-Gefühle garantiert.
Karin Eva Swoboda wurde 1965 in Freiburg (D) geboren und studierte in Graz an der Universität für Musik und darstellende Kunst. Zunächst als ausübende Musikerin und Pädagogin, dann im öffentlichen Kultursektor tätig, entwickelt sie derzeit interdisziplinäre Kunstprojekte für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.
3. detourism. A-1210 Leopoldau (Zurück zur Übersicht)
Luciano Parodi (RA/A)
Ort: Wien 21, Leopoldau
Mo 11. – Sa 30. Juni
Zeitpunkt und Dauer individuell wählbar
Beim Kauf des Tickets erhalten Sie einen Reiseführer in die Leopoldau.
Man muss weit reisen, um einen Hügelnachweis zu sehen. In einem Seiltanz über die mentalen und geografischen Grenzen Wiens kommt man dorthin: nach Leopoldau. Ein Ort, der gerade erst an das U-Bahn-Netz angeschlossen wurde. Ein Ort, zu dem Luciano Parodi eine geheime Tür öffnet. Parodis Reiseführer zu folgen heißt, einzutauchen in eine Landschaft ohne Prunkbauten, ohne die Fassade von Geschichte. Es heißt schlendern und streunen, geleitet vom Kommando einer programmierten Beiläufigkeit. Einem Weg zu folgen, Koordinaten zu suchen und dabei sicher verloren zu gehen. Die Poesie des Alltags zu erfahren: private Paradiese, Eingangsverweigerungen, Anti-Gärten, Klang-Gänge und vieles mehr, was Parodis poetischer Reiseführer sichtbar macht.
Luciano Parodi kam 1976 in Junín/Argentinien auf die Welt. Er wurde zuerst Architekt in Buenos Aires. Dann kam er nach Wien und studierte an der Akademie der bildenden Künste. Jetzt lebt und arbeitet er in und zwischen Wien und Buenos Aires.
4. Die Stadt gehört Dir! (Zurück zur Übersicht)
Johann Schneider (A)
Fr. 22. Juni und Sa 23. Juni jeweils 16.00 h. Sa 30. Juni 13.00 h
Treffpunkt: Yppenplatz, 1160 Wien
Dauer: ca. 90 Minuten
Tickets nur erhältlich in den Tanzquartier Wien / Studios.
Fahre mit dem unumstrittenen Wiener-Linien-Spezialisten Johann Schneider (10 Jahre) durch Wien. Er kennt alle Straßenbahnmodelle, zum Beispiel den ULF. Er weiß, wo man sich sein Lieblingsmodell kaufen kann und in welchem exotischen Land heute noch doppelstöckige Wiener Straßenbahnen von 1920 fahren. Auf dieser detailliert ausgearbeiteten öffentlichen Stadtrundfahrt mit Einkehr im Straßenbahnmuseum wirst du viel erfahren, z.B. wie viele Menschen pro Quadratmeter in einer U-Bahn in Tokio stehen dürfen. Du wirst durch die engste Kurve der Wiener U-Bahn fahren. Aber Vorsicht! Du wirst nachher nie wieder in eine Bahn steigen können, ohne über Modell und Baujahr nachzudenken. Aber du wirst dann wissen, ob es ein ULF ist.
Johann Schneider ist zehn Jahre alt und wohnt in Wien am Brunnenmarkt. Er isst sehr gerne Eis und Profiteroles. Fisch von Gourmet findet er ekelig. So lange er in der Schule keine Hunderter- oder Tausenderdivisionen machen muss, mag er Mathe. Nächstes Jahr wird er elf, dabei hat er sich noch gar nicht an das Zehn-Sein gewöhnt.
In Zusammenarbeit mit Götz Bury
5. Die Zone (Zurück zur Übersicht)
Karl Bruckschwaiger (A)
Mo 11. Juni 14.30 h, Sa 16., Di 19. und Do 28. Juni jeweils 19.00 h
Ort: Aspanggründe
Treffpunkt: S-Bahn-Station St. Marx, 1030 Wien
Dauer: ca. 2 Stunden
Tickets nur erhältlich in den Tanzquartier Wien / Studios.
Wanderbekleidung und gutes Schuhwerk erforderlich.
Mitten im 3. Bezirk liegen die Aspanggründe, eine 22 ha große Industriebrache. Sie befindet sich im Übergang zwischen einer bewegten Vergangenheit - unter anderem der NS-Zeit - und einer gigantisch geplanten Zukunft mit tausenden Wohneinheiten und Arbeitsplätzen. Die Aspanggründe sind die Zone. Durch die Zone führt Karl Bruckschwaiger mit der Methode des Stockwurfs, entlehnt aus Andrej Tarkovskijs Film Stalker. Es gibt keinen vorgeschriebenen Weg. Man folgt dem Stockwurf und den Erzählungen des Führers durch die Brachlandschaft. Verfallene Gebäudereste und ungewöhnliche Bodenstrukturen lösen Geschichten aus. Über futuristische Baupläne und verblichene Fotos von damals werden die Dimensionen der urbanen Veränderung lebendig.
Karl Bruckschwaiger studierte Philosophie und Geschichte in Wien. Sein Theaterinteresse führte ihn über den Sparverein der Unzertrennlichen, das Stadttheater Wien und das Tanzquartier Wien zu eigenen Projekten wie die Hühnermumifizierung. Ansonsten hält er Vorträge, übersetzt, schreibt und macht Stadtführungen in Wien.
6. First Listen Up – Decolonising Vienna Tour (Zurück zur Übersicht)
Recherchegruppe zu Schwarzer österreichischer Geschichte und Gegenwart/Pamoja
Koordination: Araba Evelyn Johnston-Arthur (USA/A)
Mo 11. – Sa 30. Juni
täglich 14.00 – 22.00 h, So bis 21.00 h
Orte: verschiedene
Ausgangspunkt: Tanzquartier Wien / Studios
Dauer: ca. 2 Stunden
Die Bilder und Worte kolonialer Szenen sind fest im Wiener Stadtbild verankert. Wir begegnen ihnen in der Welt der Mehlspeisen, als Firmenembleme und auf Speisekarten. Die blutige Geschichte des Kolonialismus und der Versklavung wird mit Zuckerguss überzogen und verherzigt. Aber die Objekte der Verherzigung sprechen zurück und machen schwarze österreichische Geschichte(n) hörbar. Diese Audiotour fordert zu einer gegenwärtigen Auseinandersetzung mit einer verharmlosten, gewaltvollen Wiener Tradition heraus. Dabei werden historische Fragmente verborgener (Über-)Lebensgeschichten schwarzer Menschen in dieser Stadt hörbar und sichtbar gemacht.
Die Recherchegruppe zu Schwarzer österreichischer Geschichte und Gegenwart/Pamoja verbindet und erarbeitet künstlerische und wissenschaftliche schwarze emanzipatorische Subjektpositionen. Sie versteht sich als Arbeitsgruppe von Pamoja, einer Bewegung der jungen afrikanischen Diaspora in Österreich.
7. Follow me, Hold this (Zurück zur Übersicht)
cabula6 (USA/A)
Di 12. – Fr 29. Juni
Di – Fr 14.00 – 20.00 h
Dauer: individuell
Anmeldung erforderlich.
Du bekommst einen Stadtplan und eine Telefonnummer. Du rufst an, und schon bist du hinter den Kulissen von Mis-Guide – Stadtverführungen in Wien. Denn am Telefon ist die Produktionsleiterin Marlies Pucher, die gerade unterwegs ist, um die Durchführung der Touren zu überprüfen, Notfallsituationen zu managen oder Probleme zu lösen. Wo immer Marlies gerade ist, wirst du auch sein. Was immer sie gerade tut, du wirst ihr dabei zusehen und helfen. Als autorisierter Verfolger wird dir der Zugang zu Büros, Garagen und Küchen gewährt. Du wirst als Instant-AssistentIn kleine Aufgaben erfüllen und dir für eine kurze Weile vorstellen können, was es heißt, den Job einer Produktionsleiterin zu machen.
cabula6 ist eine internationale Performancegruppe unter der künstlerischen Leitung von Jeremy Xido (USA) und Claudia Heu (A). Sie spielen mit der Grenze zwischen Realität und Fiktion. Sie suchen nach unkonventionellen Performanceplätzen und widmen sich den Prinzipien Lust, Humor, Nachforschung und Adrenalin. Sie lieben das Spiel.
http://cabula6.com/FMHTindex.htm
8. Guided by Accident (Zurück zur Übersicht)
Oliver Hangl (A) feat. maschek. (A)
Do 14. Juni 17.00 h und 19.00 h
Ort: Mariahilfer Straße
Treffpunkt: Tanzquartier Wien / Studios
Dauer: ca. 60 Minuten
Zufälle spielen in unserem Leben oft eine entscheidende Rolle, wenn man sie nur zulässt. Gerade aber in den Straßen einer Großstadt hat der Zufall selten eine Chance. Was wäre, wenn man einem verlorenen Handschuh, einem Kind oder einem Auto mit Kärntner Kennzeichen folgt? In Guided by Accident werden die BesucherInnen mit einem Funk-Kopfhörer ausgestattet und von den unsichtbaren Tour-Guides maschek. live über die Mariahilfer Straße geführt. Er oder sie muss einem spielerischen Regelwerk folgen, bei dem der Zufall Regie führt. maschek. werden Ort und Ereignis fiktionalisieren und dazu verleiten, den Zufall als Möglichkeit zu betrachten, kreativ auf das Unerwartete zu reagieren.
Oliver Hangl bewegt sich in performativen Disziplinen und medialen Räumen ebenso wie in den klassischen Ausstellungsräumen der bildenden Kunst. Realitätsbrüche, Verdoppelungen und Zwischenwelten markieren seine aktuellen Arbeiten. maschek. (Peter Hörmanseder, Ulrich Salamun und Robert Stachel) sind Fernsehbastler und in den letzten Jahren mit fester Bühne (Rabenhof Theater) und regelmäßiger Teilnahme an der ORF-Sendung Donnerstalk beschäftigt.
Mit Unterstützung von AKG, Klangfarbe, Duracell, Crumpler, shu!, McShark, Brillen.manufaktur und Hawlan Elektrotechnik
9. Hüttenzauber (Zurück zur Übersicht)
Eva Grumeth (A), Stephanie Rauch (A), Lena Winkler-Hermaden (A)
Mi 13., Fr 15. und Fr. 29. Juni stündlich ab 17.00 h
Orte: 1030, 1080 und 1150 Wien
Dauer: individuell
Ende: 22.00 h
Tickets nur erhältlich in den Tanzquartier Wien / Studios.
Was ist der persönlichste Zugang zu Wien? Drei junge Wienerinnen haben diese Frage wörtlich genommen und darauf eine bestechend einfache Antwort gefunden: meine Wohnung. Sie laden dich also auf einen Besuch bei sich zu Hause ein. Betrete die Wohnungen und erlebe den Moment, wenn die Gastgeberin gerade gegangen ist. Wirst du ihre Einladung annehmen? Sie vertraut Dir. Was wirst du tun? Wo liegen die Grenzen deines Voyeurismus? Hüttenzauber öffnet die privaten Räume dreier Leben für die Öffentlichkeit. Das Geheimnis der Identität von GastgebernInnen und BesuchernInnen bleibt ungelöst.
Die drei Gastgeberinnen studierten gemeinsam Bühnen- und Filmgestaltung an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Eva Grumeth arbeitet unter dem Namen Grundvier im Bereich Ausstattung und Produktion für Kunstprojekte und zur Zeit mit Rainer Prohaska. Stephanie Rauch ist Bühnenbildnerin für Performance und Tanz und konzipiert in diesem Bereich auch eigene Projekte. Lena Winkler-Hermaden ist Kostüm- und Bühnenbildnerin für Theater- und Filmproduktionen. Hüttenzauber ist ihre erste gemeinsame Arbeit.
10. Lean Against the City (Zurück zur Übersicht)
Verein Freiraumexperimente (A)
mit Florian Brand und Manfred Schwaba und Fritz/Frassl (Juli Fritz / Elisabeth Frassl)
Di 12., Fr 22., Sa 23., Di 26. und Sa 30. Juni jeweils 20.00 h
Ort: Wien, Innere Stadt
Treffpunkt: Tanzquartier Wien / Studios
Dauer: ca. 60 Minuten mit Open End
Unbegründetes Herumstehen im öffentlichen Raum erweckt Misstrauen. Um das trotzdem tun zu können, hat der Verein Freiraumexperimente gemeinsam mit Fritz/Frassl die Tätigkeit des Lehnens als Camouflage entdeckt. Wie anlehnbar ist Wien? Überall in der Stadt existieren viele noch unbemerkte öffentliche Tresen, die zum Anlehnen einladen und eine entspannte Sicht auf die Umgebung bieten. Elektroböcke und Splittbehälter sind nur die offensichtlichsten. In einer abendlichen Tour mit Aufklebern und Getränken in der Tasche werden öffentliche Wiener Tresen gefunden, getestet und markiert. Dann kann man alleine oder in der Gruppe weiterziehen und später die Tresen-Funde auf dem Blog http://www.lean-against-the-city.org verewigen.
Die (Landschafts-)Architekten Florian Brand und Manfred Schwaba lehren gemeinsam an der BOKU Wien und realisieren unter dem Label Verein Freiraumexperimente temporäre Interventionen im öffentlichen Raum, wie Münzbalkon (2004) oder Abfahrt Brunnenmarkt (2006). Gemeinsam mit den bildenden Künstlerinnen Juli Fritz und Elisabeth Frassl realisieren sie Lean against the City.
11. Lehmanns Adressen (Zurück zur Übersicht)
Georg Blaschke (A)
Mo 11. Juni 17.00 h, Di 12. Juni 17.00 h und 20.00 h, Mi 13. Juni 17.00 h und 20.00 h
Treffpunkt: Café Eiles, Josefstädter Straße 2, 1080 Wien
Dauer: ca. 2 Stunden
Tickets nur erhältlich in den Tanzquartier Wien / Studios.
Limitierte TeilnehmerInnenzahl.
Ausgehend von Lehmanns Wiener Adressbuch aus dem Jahre 1935 lädt Georg Blaschke zu einem Erinnerungsspaziergang ein, zum Nachzeichnen von Bezugslinien durch ein Wien von gestern und heute. Das Adressbuch ist aufwändig und detailliert nach Bezirken und Straßennamen geordnet, und jede Adresse ist mit Branchenzeichen versehen. Sie treffen Georg Blaschke zum gemeinsamen Studieren des Adressbuches, um Zeichen, Symbole und Archivierungsstrukturen von damals mit den heutigen zu vergleichen. Über persönliche Erinnerungen und Bezüge, verschwundene Gebäude und alte Verkehrswege entscheiden Sie sich für einen Spaziergang, den Sie gemeinsam machen. Es gibt Zeit zum Entdecken, Teilen, Diskutieren und Kaffeetrinken.
Georg Blaschke lebt als freischaffender Performer, Choreograf und Tanztrainer in Wien. Er wuchs in Wien auf, studierte Mathematik und Philosophie und arbeitete schon als Briefträger, Straßenkehrer, Privatlehrer und Heizkörperableser.
Fotodokumentation: Rudi Kern. Dank an Werner Hanak und Nikolaus Korab.
12. Letzte Orte (Zurück zur Übersicht)
Tobias Dörr (D/A)
Mo 11. – Sa 30. Juni
täglich 14.00 – 22.00 h, So bis 21.00 h
Orte: verschiedene
Ausgangspunkt: Tanzquartier Wien / Studios
Dauer: ca. 2 Stunden
Eine Bank, eine Hausecke, vielleicht ein Café. Mit solchen gewöhnlichen Orten sind Episoden von Wiener Lebensgeschichten verknüpft. Lebensgeschichten, die bald zu Ende gehen, denn sie sind aufgezeichnet von unheilbar kranken Menschen, die vom Mobilen Hospiz der Caritas der Erzdiözese Wien betreut werden. In einem Stück persönlicher Erinnerungsarbeit haben sie kleine Geschichten zu ihren Lieblingsorten auf Band gesprochen. Du wählst eine Tour intuitiv nach dem Titel aus. Ausgestattet mit einem Audioguide und einem Stadtplan kannst du zu den Lieblingsorten der ProtagonistInnen fahren, dort verweilen und dir ihre Geschichten erzählen lassen. Eine nachdenkliche Reise zu geschichtsträchtigen Plätzen.
Tobias Dörr, Jahrgang 1977, wurde in der Schweiz geboren, wuchs in Deutschland auf und studiert seit 2002 Regie bei Michael Haneke an der Wiener Filmakademie.
Dank an das Mobile Hospiz der Caritas der Erzdiözese Wien, Gerda Scherwitzl und Mag. Bettina Schörgenhofer.
13. mood.routes (Zurück zur Übersicht)
art.tickles mit Sergius Nolle (PL/A), Claudia Nussbaumer (A), Suna Orcun (TR/A) und Özlem Sümerol (TR/A)
Mo 11. Juni 12.30 h
Di 12. Juni 17.00 h, Sa 16. Juni 16.00 h
Mi 20., Do 21. und Mi 27. Juni jeweils 18.30 h
Orte: verschiedene
Treffpunkt: Tanzquartier Wien / Studios
Dauer: individuell
Sie erhalten eine Einführung durch die KünstlerInnen und ein Booklet zur Tour. Die Tour kann in der Folge individuell stattfinden.
Grantig, verliebt, frivol oder altvatrisch in Wien? mood.routes ist ein Wien-Führer, der je nach Gemütszustand die Stadt anders erlebbar macht. Der Führer basiert auf den Erfahrungen, Gefühlen und Lebensweisen nichtgebürtiger WienerInnen verschiedenen Alters, verschiedener Herkunft und sozialer Hintergründe. Wie empfinden die Zuagreisten die Wahlheimat? Welche Orte haben eine emotionale Bedeutung für sie? Aus den Ergebnissen einer breit angelegten Befragung haben art.tickles Gefühlsrouten durch Wien kondensiert. Der oder die BesucherIn kann sich nach einer filmischen Einführung einen Adjektiv-Führer auswählen und Wege und Orte abschreiten, nachempfinden und mitfühlen.
Özlem Sümerol und Suna Orcun sind beide 1978 in Istanbul geboren und leben in Wien. Özlem ist Kulturmanagerin, Suna Ökonomin und Musikerin. Claudia Nussbaumer ist 1978 in Dornbirn geboren und arbeitet als Motiondesignerin und Cutterin. Sergius Nolle kommt aus Bydgoszcz/Polen. Er studierte Architektur in Wien und ist Geschäftsführer und Creative Director.
14. Real Crime Walk (Zurück zur Übersicht)
Michael Zinganel (A)
Sa 30. Juni 15.00 h und 18.30 h
Ort: Schottenring
Treffpunkt: Haupteingang der Bundespolizeidirektion Wien, Kriminaldirektion 3, Rossauer Lände 5, 1090 Wien
Dauer: ca. 2 Stunden
Tickets nur erhältlich in den Tanzquartier Wien / Studios.
Limitierte TeilnehmerInnenzahl.
Crime does not pay?! Falsch, schreibt Karl Marx in seinen Bemerkungen über die Produktivkraft des Verbrechens: der Verbrecher produziert nicht nur das Verbrechen selbst, sondern auch alle Formen der Kriminalberichterstattung, in den schönen Künsten, in der Wissenschaft und in den Massenmedien, und nicht zuletzt alle gegen das Verbrechen gerichteten Maßnahmen. Auf den Spuren realer und fiktiver Verbrechen führt der Kulturwissenschaftler Michael Zinganel die BesucherInnen entlang die Ringstraße und erklärt und verklärt Geschichte, Baumaßnahmen und Architektur. Von der bürgerlichen Revolution bis zum Eifersuchtsmord, von militärstrategischen Anlagen zu populären Moritaten: Zinganel folgt den Tatspuren unheimlicher Verbrechen zu altbekannten Plätzen - mit musikalischem Bonus vom Polizisten Peter Steinbach (Wiener Blues).
Michael Zinganel arbeitet als Architekturtheoretiker, Künstler und Kurator in Graz und Wien an Ausstellungen und Projekten über Planungsmythologien und Alltagsarchitektur sowie Kunst und Tourismus. Er ist Autor von Real Crime. Architektur, Stadt und Verbrechen.
15. Soundwalk (Zurück zur Übersicht)
über Mexiko nach Venedig in Wien
Robert Schwarz (A)
Mo 11. – Sa 30. Juni
täglich 14.00 – 22.00 h, So bis 21.00 h
Orte: verschiedene
Ausgangspunkt: Tanzquartier Wien / Studios
Dauer ca. 2 Stunden
Hören und Zuhören werden in der meist visuellen Stadterfahrung oft unterschätzt. Man sieht hin, aber hört man hin? Durch das Überlagern zweier Räume - eines hörbaren und eines sichtbaren - können wir ganz neue virtuelle Räume erschließen und zu einer außergewöhnlichen Sinneswahrnehmung verleiten. Wie wäre es, wenn sich der Mexikoplatz in Wien auch nach Mexiko anhörte? Die Dresdner Straße anders klänge? Ausgestattet mit einem Walkman und einem Stadtplan werden die BesucherInnen Orte in Wien anlaufen und durch das Abspielen der Soundscapes (Klanglandschaften) diese Orte völlig neu erleben. Die Verbindung von Ort und Ton kann historisch sein, mit dem Namen oder einem Ereignis zu tun haben. Eine Audiotour der sinnlichen Art.
Robert Schwarz wurde 1978 in Wien geboren und studierte zunächst Architektur und später Computermusik und elektroakustische Komposition an der Universität für Musik und darstellende Kunst, Wien. Seine Projekte haben klingende Namen wie Recorderman, Wiener Geräuschorchester, The Honolulu Bound, Pingping und Roland Poland.
16. Suburb Safari (Zurück zur Übersicht)
oder: Wer findet die Bergziege?
KagranKollektiv (A)
Patrick Golkowsky, Helmut Preis und Stefanie Sandhäugl
Fr 15. und Fr 22. Juni 16.00 h
Ort: Mülldeponie Wien Kagran
Treffpunkt: Eingang Mülldeponie, Rautenweg 83, 1220 Wien
Ende ca. 20.00 h
Tickets nur erhältlich in den Tanzquartier Wien / Studios.
Wanderbekleidung und gutes Schuhwerk erforderlich.
In den weitläufigen Steppen der Wiener Vororte existiert ein anderes Land: das Königreich des Mülls. Kaum ein Wiener oder eine Wienerin aus den Innenstadtbezirken überquert freiwillig die Donau - aber deren Müll tut es und formiert sich dort zu fast alpinen Bergketten. In den 60er Jahren protestierten AnwohnerInnen gegen die Mülldeponie Rautenweg, sie befürchteten die Lagerung von Giftmüll. Als Gegenbeweis wurde dort die Pinzgauer Bergziege angesiedelt, die sich seitdem prächtig entwickelt. Du wirst als SafariteilnehmerIn auf eine Abenteuerreise zum „Bergziegensafaripark Donaustadt“ gehen, um dort die transdanubische Bergziege und ihr natürliches Habitat zwischen den ungewollten Dingen der WienerInnen zu sichten. Erfrischungen und Souvenirs in der Safarilodge all-inclusive.
Die KünstlerInnengruppe KagranKollektiv setzt sich mit dem Bezirk Donaustadt, der oft als Kulturwüste beschrieben wird, auseinander. Patrick Golkowsky studierte internationale Betriebswirtschaft und ist Wirtschaftsbonze und Blasmusikvirtuose. Helmut Preis studierte medienübergreifende Kunst, ist Modeschöpfer und Sprengbefugter. Stefanie Sandhäugl studierte Kunstpädagogik und ist Erfinderin.
Weniger
Konzeptidee
Wrights & Sites:
Stephen Hodge,
Simon Persighetti,
Phil Smith,
Cathy Turner